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Frankfurt/Main (AP) Das war also der wilde Musiksommer 1968: Die Rolling Stones hüpften mit «Jumping Jack Flash» an der Spitze der Single-Charts herum, die Small Faces pflegten mit «Lazy Sunday» das Gammler-Image der jungen Wilden, die sich gerade anschickten, als «68er» in die Nachkriegsgeschichte einzugehen.
Frauen ließen sich derweil von Tom Jones becircen - «Delilah» lief im Radio rauf und runter. Nicht wenige weibliche Fans standen auch auf der deutschen Version Peter Alexanders. Und dann gab es noch einen 13-Jährigen, dem die blanke Verachtung der nur wenig älteren Rebellen entgegenschlug: Heintje. «Du sollst nicht weinen» war sein Sommerhit vor 40 Jahren.
Die Popmusik von damals ist ein Spiegelbild der Zerrissenheit der Gesellschaft. Stones-Sänger Mick Jagger demonstrierte in London und schrieb danach «Street Fighting Man» - ein kleiner armer Junge, der im langweiligen London aber doch nichts anderes machen konnte, als in einer Rock'n'Roll-Band zu singen. «Jumping Jack Flash» war provozierend unpolitisch: Die langhaarigen Jungs mutierten beim Tanz zu wild zappelnden Hampelmännern (jumping jacks). Nach den politischen Grundsatzdebatten wurde wild gefeiert - und Jimi Hendrix lud ins «Electric Ladyland»: «... And The Gods Made Love».
Trau keinem über 30
Hendrix' Musik bestimmte die, wie man heute sagen könnte, After-Demo-Partys. Auf dem Festival in Monterrey spielte er 1968 eine Version des zuvor von den englischen Troggs bekannt gemachten Lieds «Wild Thing». Dessen ebenso extatischer wie simpler Rhythmus gab vor, was auf den Festen damals abging: Man(n) feierte die sexuelle Befreiung, nahm Drogen, die das Bewusstsein erweitern sollten, und legte die traditionelle Zweierbeziehung erst einmal ad acta.
Neben Hendrix prägten Janis Joplin und Jim Morrison von den Doors das Lebensgefühl: Sex and Drugs and Rock'n'Roll. Alle drei wurden nicht älter als 27 Jahre. Bob Dylan, die Beatles, Rolling Stones, The Who, Cream, The Grateful Dead, Pink Floyd, Frank Zappa und viele drückten den Zeitgeist aus: Trau keinem über 30 - und lieber sterben, bevor man alt wird (»My Generation», The Who).
Es wurde gestritten, auf dem Chanson-Festival auf der Burg Waldeck wurden Musiker von radikalisierten Zuhörern als «Fachidioten» beschimpft und aufgefordert, die Gitarre in die Ecke zu stellen und zu diskutieren. 1968 war aber auch das Jahr, in dem sich nach dem «Summer of Love» ein Jahr zuvor ein freud- und humorloser Dogmatismus in der Jugendrebellion etablierte.
Revolutionsskepsis der Beatles
John Lennon hat darauf skeptisch reagiert. Sein Song «Revolution» auf dem «White Album» der Beatles war alles andere als ein Loblied auf die dogmatischer werdende Bewegung. «Wenn es um Zerstörung geht, könnt ihr nicht auf mich zählen» singt er - «you can count me out». Und wer Bilder vom Vorsitzenden Mao vor sich her trage, werde sowieso mit niemandem klar kommen - «you ain't going to make it with anyone, anyhow».
Lennon hat irgendwie Recht behalten. Nicht die radikalen Politrevoluzzer von 1968 haben eine dauerhafte Wirkung entfaltet, sondern der Teil der Bewegung, der mit Engagement und Lust und trotz aller Widersprüchlichkeit einen anderen Lebensstil entwickelte und diesen auch - wenngleich mit manchen Zugeständnissen - beibehielt.
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