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Frankfurt/Main (AP) Eine Autostunde von Brüssel entfernt liegt eine der reizvollsten europäischen Städte, nämlich die einst so bedeutende Handelsmetropole Brügge in Flandern. Wirtschaftlich hat Brügge keine große Bedeutung mehr, aber seine Schönheit mit vielen Kanälen, Kunstsammlungen und dem bestens erhaltenen alten Stadtbild ist geblieben. All das zieht viele Touristen an, auch aus dem ja nicht weit entfernten Großbritannien. Von dort kommen der massige Ken und der nervöse Ray. Aber es sind keine normalen Besucher Brügges.
Vielmehr handelt es sich bei dem älteren Ken und dem jungen Ray um zwei irische Profikiller, die gerade einen Auftrag in London nicht ganz plangemäß ausgeführt haben und von ihrem Boss Harry in diese ihnen bislang völlig unbekannte belgische Idylle beordert wurden, um weitere Instruktionen abzuwarten. Wie sich die beiden Männer dort die Wartezeit gestalten und welche Gefahren auf sie warten, zeigt ab dem 15. Mai die britisch-belgische Kinoproduktion «Brügge sehen ... und sterben?».
Es ist der erste Spielfilm des irischen Regisseurs und Dramatikers Martin McDonagh, der 2006 für seinen Kurzfilm «Six Shooter» mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Die Hauptrolle in «Six Shooter» spielte der Charakterdarsteller Brendan Gleeson, der nun auch in McDonaghs Kinodebüt als ebenso gutmütiger wie übergewichtiger Ken im Mittelpunkt der unterhaltsamen Handlung steht.
Als Ray agiert der bereits zu Hollywood-Ehren gekommene Colin Farrell, wie Gleeson ein gebürtiger Ire. Es ist ein kontrastreiches Männerduo, das es in die schöne Kulisse des «Venedigs des Nordens» verschlagen hat. Beide wissen nicht, warum ihr Boss, gespielt von Ralph Fiennes, der erst spät im Film selbst auftritt, sie ausgerechnet nach Brügge geschickt hat. Doch derweil Ken sich zunehmend aufgeschlossen für die Reize der Stadt zeigt, wird Ray von Langeweile und seinem schlechten Gewissen geplagt.
Gute Dialoge und eine überflüssige Romanze
Denn Ray hat bei dem Auftragsmord in London versehentlich einen kleinen Jungen erschossen. Boss Harry nimmt das zum Anlass, nun von Ken einen Dienst abzufordern, der für Ray ebenso lebensbedrohlich ist wie der Auftritt des Ex-Freundes der hübschen Chloe, die dem gut aussehenden Ray in Brügge über den Weg gelaufen ist. Gespielt wird die lokale Schönheit übrigens von einer jungen Französin namens Clémence Poésy. Viel Zeit bleibt Ray allerdings nicht für Chloe, denn nun überstürzen sich die Ereignisse. Nicht nur Brügges wegen ist die Kriminalkomödie ein durchaus sehenswerter Film.
McDonagh, der auch das Drehbuch verfasst hat, kann gute Dialoge schreiben, manchmal witzig, manchmal ironisch und sarkastisch. Der Oscar-Preisträger ist eben ein erprobter Bühnenautor. Deshalb mag man ihm auch einige Unwahrscheinlichkeiten und Konstruiertheiten im Handlungsverlauf nachsehen. Auch die Romanze zwischen Ray und Chloe wirkt arg aufgesetzt. Doch das Duo Gleeson und Farrell wächst dem Zuschauer bald ans Herz, wenngleich die «berufliche» Tätigkeit der beiden natürlich suspekt bleiben muss. Einen Erfolg wird der 105-minütige Film auf jeden Fall haben: Er ist massive Werbung für eine baldige Reise nach Brügge, seit 2000 Weltkulturerbe und die Perle Flanderns.
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