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Birmanisches Regime fordert internationale Gemeinschaft heraus Überblick (neu: Regierungssprecher im 3. Absatz)

AP - Freitag, 9. Mai, 16:37 Uhr

Rangun/Berlin (AP) Der Konflikt zwischen dem Militärregime in Birma und der internationalen Gemeinschaft über die Katastrophenhilfe spitzt sich zu. Die UN warfen den Generälen vor, Lieferungen des Welternährungsprogramms (WFP) beschlagnahmt zu haben. Das wäre ein beispielloser Affront gegen die Vereinten Nationen. Die Regierung wies diese Darstellung zurück.

Doch verweigerte die Junta eine Woche nach Durchzug des verheerenden Zyklons «Nargis» weiter ausländischen Helfern die Einreise. Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte das Regime und sprach sich für eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates aus.

WFP-Sprecher Paul Risley erklärte in Bangkok: «Alle Lebensmittelhilfe und Ausrüstung, die wir bislang hineinbringen konnten, wurden beschlagnahmt». Das WFP habe deshalb keine andere Wahl, als weitere Hilfslieferungen auszusetzen. Es sei unklar, warum die Ladung zweier Frachtflugzeuge - darunter 38 Tonnen energiereiche Kekse - beschlagnahmt worden sei.

Ein Regierungssprecher in Rangun erklärte dagegen, die Hilfsgüter seien nicht beschlagnahmt worden, sondern würden unverzüglich in die betroffenen Gebiete gebracht.

UN-Koordinator «extrem frustriert»

Im Katastrophengebiet warteten mehr als eine Million Obdachlose auf Lebensmittel, Arzneimittel und Unterkünfte. Der UN-Koordinator für humanitäre Aktionen, John Holmes, sagte, er sei «extrem frustriert», dass Hilfsmitarbeiter nicht zu den Not leidenden Menschen gelassen würden. «Ich verliere die Geduld.» Die Lage sei «extrem beunruhigend», sagte Holmes «Le Monde». Es bestehe ein sehr hohes Risiko für Krankheiten und Epidemien.

Auch die Bundesregierung appellierte an die Militärregierung, sofort Hilfe internationaler Organisationen ins Land zu lassen. Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprachen sich für eine Sitzung des Sicherheitsrats aus. Zunächst gehe es aber darum, die Hilfe so schnell wie möglich vor Ort zu bringen. «Im Augenblick zählt jede Stunde», sagte Steinmeier.

Merkel will nach Angaben ihres Sprechers mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon telefonieren, um zu sehen, was die Vereinten Nationen sinnvoll leisten könnten. Mit der Situation, dass die Regierung keine ausländischen Helfer ins Land lasse, «kann sich die internationale Staatengemeinschaft nicht einfach abfinden».

Steinmeier sagte, das ganze Ausmaß der Schäden dürfte größer sein als die Katastrophe, die der Tsunami 2004 in Südostasien ausgelöst hatte. Es sei unerträglich, dass die Regierung in Rangun keine Kooperation mit den Hilfsorganisationen eingehe. Die vom Deutschen Roten Kreuz angebotenen Lazarette und Anlagen zu Wasserversorgung des Technischen Hilfswerkes (THW) könnten bereits vor Ort laufen, wenn Birma Visa erteile.

«Wir haben Hunger»

Das birmanische Außenministerium erklärte, man sei zwar dankbar für Versorgungsgüter aus dem Ausland, wolle diese aber selbst verteilen. Am Donnerstag sei in Rangun ein Flugzeug mit Rettungskräften gelandet, die keine Einreisegenehmigung gehabt hätten. Die Maschine sei zurückgeschickt worden.

Erst am Donnerstag waren außerdem die ersten Flugzeuge des Roten Kreuzes und des WFP in Birma gelandet. Amerikanische Militärflugzeuge mit Hilfsgütern wurden weiter abgewiesen.

Der in Norwegen ansässige Sender Demokratische Stimme Birmas veröffentlichte am Freitag Bilder des Elends im von «Nargis» am schlimmsten betroffenen Irrawaddy-Delta. Auf eine Straße hatte jemand geschrieben «Bitte kommt und helft uns», wie auf dem Video zu sehen war. Wenige Meter weiter stand «Wir haben Hunger».

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