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Große Unzufriedenheit bei Gewerkschaftsmitgliedern laut Umfrage

AP - Freitag, 9. Mai, 12:25 Uhr

Essen (AP) Mehr als eine Million Gewerkschaftsmitglieder sind einer DGB-Umfrage zufolge unzufrieden mit ihrer Organisation. Dies geht nach einem Bericht der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» aus einer Infratest-Erhebung im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes hervor. «Jedes 4. Mitglied (24 Prozent) ist als gefährdet einzustufen», knapp die Hälfte davon mit Blick auf einen möglichen Gewerkschaftsaustritt «stark gefährdet», heißt es demnach in der Auswertung der Umfrage, die der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt.

Der DGB bestätigte auf AP-Nachfrage die Existenz der Studie, wollte sich zu Details zunächst jedoch nicht äußern. Die Umfrage sei aber nicht so negativ ausgefallen wie dargestellt, sagte DGB-Sprecherin Claudia Falk. Sie habe beispielsweise ergeben, dass drei Viertel der Befragten ihren Kollegen eine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft empfehlen würden. Ein Teil der Ergebnisse sei auch in der aktuellen Ausgabe des DGB-Magazins «einblick» veröffentlicht worden. Ansonsten handele es sich jedoch um eine interne Studie «um zu sehen, wo stehen wir».

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf die Analyse, unter den «gefährdeten» Mitgliedern befänden sich «überdurchschnittlich viele, die beruflich erfolgreich sind», wie Facharbeiter und Gesellen. Diese Mitglieder hielten die Bemühungen, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern, für sich selbst für nicht so bedeutsam. Seit 1994 seien die DGB-Gewerkschaften um 1,7 Millionen Mitglieder auf 4,3 Millionen geschrumpft, schrieb das Blatt. DGB-Sprecherin Falk betonte dagegen, die Mitgliederzahl liege bei rund 6,4 Millionen.

Kritik an geringem Erfolg bei Tarifverhandlungen

Die unzufriedenen Mitglieder werfen dem Bericht zufolge den Gewerkschaften vor, ihre Schutzfunktion zu vernachlässigen, die Arbeitswirklichkeit nicht zu kennen und sich zu wenig um die Beschäftigten in den Betrieben zu kümmern. Zudem bemühten sie sich nicht genug um den Erhalt der Arbeitsplätze, hätten zu geringen Erfolg bei Tarifverhandlungen und verträten die Interessen der Arbeitnehmer nur unzureichend.

Dass die «gefährdeten» Mitglieder noch nicht ausgetreten sind, sei vor allem auf die Rechtsberatung der Gewerkschaften und auf persönliche Kontakte zu Betriebsräten zurückzuführen, zitierte das Blatt die Analyse. Auch die Bemühungen der Gewerkschaften um die Altersvorsorge zähle zu den «Rest-Ankern», die diese «gefährdeten» Mitglieder noch an die Gewerkschaften binde.

Allerdings zeige die Umfrage auch, dass die Gewerkschaften unter Nicht-Mitgliedern beträchtliches Potenzial hätten, um neue Mitglieder zu werben. Zwar zeigten 26 Prozent der Nicht-Mitglieder Distanz, 55 Prozent stünden den Gewerkschaften jedoch eher neutral gegenüber. 19 Prozent sähen sich sogar nahe bei den Gewerkschaften.

Frauen beklagen mangelnden Einsatz für Familien

Besonders unter Frauen, Auszubildenden, Arbeitnehmern in Teilzeit und unsicherer Beschäftigung sowie bei den unter 40-Jährigen besteht demnach eine positive Haltung zu den Gewerkschaften und ihrer Arbeit. Dennoch hätten viele erklärt, es zahle sich für sie nicht aus, Mitglied zu werden. Vor allem Frauen hätten kritisiert, dass sich die Gewerkschaften zu wenig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzten, schrieb die Zeitung.

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