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Ulm (AFP) - Die deutsche Wirtschaft rechnet für 2008 mit einem neuen Rekord bei den Ausbildungsverträgen. Der bisherige Rekord seit der Wiedervereinigung - rund 631.000 Verträge im Jahr 1999 - werde wohl übertroffen, prognostizierte der Ausbildungsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Thilo Pahl. Allerdings fänden viele Betriebe weiter keine geeigneten Azubis, "weil deren Qualifikation nicht stimmt", mahnten die Wirtschaftsvertreter. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte angesichts der hohen Altbewerberzahl vor verfrühtem Jubel.
Laut DIHK wurden allein bei den Industrie- und Handelskammern bis Ende Juli knapp 247.600 neue Verträge registriert - gut 16.000 oder 6,9 Prozent mehr als 2007. Der DIHK erwarte deshalb, dass der Rekord von 1999 geknackt werde, sagte Pahl. Dies sei aber auch abhängig von den anderen Bereichen, in denen Ausbildungsverträge abgeschlossen würden - also zum Beispiel Handwerk, Landwirtschaft oder öffentlicher Dienst.
Wenn allerdings das derzeitige Plus bei den Vertragszahlen allein im DIHK-Bereich bis zum Jahresende anhalte, sei davon auszugehen, dass bereits dieser Zuwachs zum Rekordknacken ausreiche, sagte Pahl. Rein rechnerisch könne bis Jahresende die Ausbildungslücke geschlossen werden. Dies bedeute aber nicht, dass jeder Bewerber auch eine Lehrstelle bekomme: Manche Jugendlichen erfüllten die Anforderungen moderner Ausbildungsberufe nicht, sagte Pahl.
Aus Sicht des DGB scheine sich die Lage am Ausbildungsmarkt wegen der konjunkturellen Situation in der Tat zwar zu entspannen, sagte eine Sprecherin. Angesichts von noch immer 385.000 Altbewerbern gebe es aber keinen Grund zu verfrühtem Jubel. Arbeitgeber bemühten hier immer wieder das Argument von den unqualifizierten Bewerbern. Jedoch habe sich gezeigt, dass unter den Altbewerbern mitnichten nur Jugendliche seien, deren schulische Leistungen nicht ausreichten. Vielmehr gebe es hier auch Durchschnittsschüler. Deren Chancen verschlechterten sich immer weiter, je länger sie warten müssten. Der DGB fordert daher eine ausbildungsbegleitende Hilfe, wie sie in der Schweiz schon üblich ist.
Obwohl viele Betriebe wegen der mangelnden Qualifikation der Bewerber keine passenden Lehrlinge fänden, seien Firmen aber zunehmend bereit, "auch schwächere Jugendliche zu nehmen, die mehr Aufwand bedeuten", erklärte indes DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Hier hätten sich Einstiegsqualifizierungen "bestens bewährt".
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