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HINTERGRUND: Serbien entscheidet sich für Europa

Von Aleksandra Niksic AFP - Montag, 12. Mai, 10:55 Uhr

Belgrad (AFP) - In einer vorgezogenen Parlamentswahl haben 6,7 Millionen Wähler in Serbien über die Zukunft ihres Landes entschieden - und diese Zukunft soll nach dem Willen der Mehrheit in Europa liegen. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl votierten die Wähler klar für eine weitere Annäherung ihres Landes an die Europäische Union. Wie bei der Präsidentschaftswahl im Februar war die Abstimmung von der Frage dominiert, ob sich Serbien weiter der Europäischen Union annähern soll.

Umfragen vor der Wahl hatten die Europaskeptiker um die Radikale Partei (SRS) von Tomislav Nikolic noch gleichauf mit den pro-westlichen Kräften von Staatspräsident Boris Tadic gesehen. Das Wahlergebnis fiel dann doch überraschend deutlich aus: Das von Tadic' Demokratischer Partei (DS) geführte pro-europäische Bündnis kam Hochrechnungen zufolge auf rund 39 Prozent der Stimmen. Die ultranationalistische Serbische Radikale Partei (SRS) von Tomislav Nikolic erhielt nur 28 Prozent.

Die Entscheidung fiel vielen Serben schwer. "Die großen Worte und Slogans helfen den Menschen nicht bei der Einschätzung, wie die Wahl das Alltagsleben beeinflussen könnte", sagt die Psychologin Bojana Damjanovic. Gerade junge Menschen, die in der serbischen Wirtschaft schwer einen Job fänden, hätten im Wahlkampf keine Antwort auf ihre Fragen bekommen. Egal, ob es um Arbeitslosigkeit, Inflation, Lebensqualität oder andere Sorgen der Bürger ginge, "sie erhalten nichts als leere Versprechen", sagt Damjanovic.

Diese Fragen beschäfigen auch Schuhhändlerin Nina Aralica aus Belgrad. Schon seit die pro-westlichen Kräfte den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic verdrängt hätten, habe sich viel in ihrem Land geändert. Sie habe einen Kredit bekommen und ein Geschäft eröffnet. Das Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen (SAA) mit der EU sei deshalb "ein gutes Zeichen für unsere Zukunft", sagt Aralica. Für den Fall einer Regierungsübernahme der Nationalisten befürchtete sie, dass ihr Geschäft Kunden verlieren könnte, weil das Land von der EU und den Nachbarländern isoliert werden könnte.

Der Postangestellte Marko Vojinovic sieht das anders. Durch das EU-Abkommen würden die Serben "bloß zu Sklaven von anderen Industrieländern" werden, sagt er. "Es ist klar, warum Europa will, dass wir beitreten: Billige Arbeitskräfte, ein großer Markt für ihre Produkte, volle Kontrolle über Politik, Leben und Land." Außerdem habe die EU nicht die Abspaltung der früheren serbischen Provinz Kosovo verhindert, kritisiert Vojinovic. Im Streit um das Kosovo war die Regierungskoalition aus der Demokratischen Partei Serbiens (DSS) von Vojislav Kostunica und der pro-westlichen Demokratischen Partei (DS) von Tadic zerbrochen.

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