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Hunderte Menschen fliehen vor Gewalt im Libanon

AFP - Freitag, 9. Mai, 18:28 Uhr

Beirut (AFP) - Angesichts heftiger Kämpfe zwischen der schiitischen Hisbollah-Miliz und Anhängern der pro-westlichen Regierung im Libanon versuchen hunderte Menschen das Land zu verlassen. An den Grenzposten zu Syrien hätten sich mehrere hunderte Menschen, darunter auch Deutsche, versammelt, berichteten Journalisten der Nachrichtenagentur AFP vor Ort. Zuvor hatte die Hisbollah am dritten Tag der Auseinandersetzungen mehrere Stadtviertel im Westen der Hauptstadt Beirut unter ihre Kontrolle gebracht. Bei neuen Kämpfen wurden zwei Oppositionelle getötet. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte ein Ende der Gewalt.

Männer, Frauen und Kinder seien in Scharen an den Grenzposten Arida im Norden und Masnaa im Osten des Libanon angekommen, berichteten AFP-Journalisten. Unter ihnen seien Briten, US-Bürger, Deutsche und zahlreiche Syrer. Zahlreiche arabische Länder begannen demnach, ihre Staatsangehörigen in Sicherheit zu bringen. Italien überarbeitete nach Angaben des Krisenstabs in Rom seine Evakuierungspläne. Deutschland, Dänemark, Norwegen, Großbritannien und die Slowakei gaben Reisewarnungen aus. Geschäftsreisenden und Touristen riet das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite, über Syrien auszureisen.

Nach Angaben eines AFP-Fotografen und von Augenzeugen bezogen Hisbollah-Kämpfer in westlichen Stadtteilen der Hauptstadt Beirut Stellung, die als Hochburgen der anti-syrischen Mehrheit im libanesischen Parlament um den Politiker Saad Hariri gelten. An dessen Residenz schlug am Morgen eine Rakete ein, wie es aus dem Umfeld des Politikers hieß.

Nachdem sich die Kämpfe am Vormittag zunächst beruhigt hatten, kamen im Süden von Beirut nach Angaben aus Sicherheitskreisen zwei Menschen bei neuerlichen Auseinandersetzungen ums Leben. Bereits am Donnerstag waren mindestens elf Menschen getötet und rund 30 weitere verletzt worden.

Auslöser der neuaufgeflammten Gewalt am Donnerstag war eine Rede von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah. Er hatte der Regierung vorgeworfen, sie habe der Hisbollah den Krieg erklärt, indem sie Ermittlungen zu deren Telekommunikationsnetzwerk eingeleitet habe.

Steinmeier sagte, die Unruhen zeigten, dass "eine Beilegung des politischen Konflikts im Libanon nicht weiter warten kann". Das Parlament sei deshalb aufgerufen, "endlich das Vakuum an der Spitze des Staates zu füllen" und einen Präsidenten zu wählen. Die Wahl soll nach unzähligen Verschiebungen nun am 13. Mai stattfinden. Das Präsidentenamt ist seit dem Ende der Amtszeit von Emile Lahoud im November unbesetzt.

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