Suche

Gabriel räumt Scheitern von UN-Artenschutzpolitik ein

AFP - Donnerstag, 8. Mai, 11:31 Uhr

Berlin (AFP) - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat eineinhalb Wochen vor Beginn der UN-Konferenz über biologische Vielfalt in Bonn einen Misserfolg der bisherigen Bemühungen um mehr globalen Artenschutz eingeräumt. "Die Konferenz ist 16 Jahre lang gescheitert", sagte Gabriel im Bundestag mit Blick auf die Tatsache, dass weiterhin hundert- bis tausendmal mehr Tier- und Pflanzenarten pro Jahr aussterben als in vorindustrieller Zeit. Der Minister zeigte sich zugleich entschlossen, in Bonn eine Wende einleiten zu wollen, auch wenn ein neuerliches Scheitern nicht auszuschließen sei.

Voraussetzung sei auf jeden Fall, die Interessen betroffener Entwicklungs- und Schwellenländer angemessen zu berücksichtigen. Naturschutz müsse mit wirtschaftlicher Entwicklung zusammengebracht werden. Nachdrücklich stellte sich Gabriel dabei hinter die Forderung Brasiliens und weiterer betroffener Staaten nach einem fairen, internationalen Interessenausgleich für die Nutzung natürlicher Ressourcen. Dazu müsse bis 2010 ein verbindliches Abkommen erreicht werden. Er verwies darauf, dass Deutschland in diesem Bereich bereits mit 210 Millionen Euro jährlich engagiert sei. Zusätzliche finanzielle Angebote machte er allerdings zunächst nicht. Vielmehr forderte er andere Industriestaaten wie Japan und die USA zu einem stärkeren Engagement auf.

Nachdrücklich warnte Gabriel vor den auch wirtschaftlichen Folgen, wenn das Artensterben ungebremst weitergehe. "Wenn wir über Artenvielfalt reden, reden wir über das Betriebshandbuch der Erde, und wir reißen da jeden Tag eine Seite raus." Das aber könnten genau die Seiten sein, die später einmal gebraucht würden. So bestehe die Gefahr, dass ab 2050 wegen der Überfischung der Meere keine kommerzielle Fischerei mehr auf der Erde möglich sei.

Gabriel verwies auch auf erste Ergebnisse einer Untersuchung des indischen Ökonomen Pavan Sukhdev im Auftrag der G-8-Staaten. Demnach erzeugen ökologische Dienstleistungen weltweit jährlich einen ökonomischen Wert von vier bis fünf Billionen Dollar. Zugleich werden die Kosten für ein effektives weltweites Schutzgebietssystem auf insgesamt 30 Milliarden Dollar geschätzt. Gabriel forderte daher, nach dem Vorbild des CO2-Emissionshandels "marktwirtschaftliche Instrumente zu entwickeln, damit Artenschutz sich mehr lohnt als die Vernichtung von Arten". Nur so könnten beispielsweise auch Menschen, die um ihr eigenes Überleben kämpfen, davon abgehalten werden, den Regenwald abzuholzen.

Bewerten Sie diesen Artikel


Foren

Video: Inland

Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.