Kürzlich wurde der erste Verein im Bereich Lungensport nämlich der VfL 1860 Marburg in Mittelhessen für seine hervorragende Übungsleitung ausgezeichnet: Übungsleiterin Kay-Ina Köhler bekam vom Bezirksvorsitzenden des Hessischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes (HBRS), Hans Jörg Klaudy, ein Qualifizierungszertifikat überreicht. Ziel ist es, ein bundesweit einheitliches Ausbildungssystem zu schaffen, sodass Betroffene überall vergleichbare Maßstäbe vorfinden, erläutert Klaudy. Damit kommt der HBRS auch den Bestimmungen des neunten Sozialgesetzbuchs (5GB IX) entgegen, das jedem Erkrankten ein Recht auf Rehabilitationssport am Wohnort zuspricht.
Gegründet wurde die Marburger Lungensportgruppe vor vier Jahren. Übungsleiterin Köhler, sowie die beiden Gruppenleiter Friedhelm Stadtmüller und Margit Nahrgang waren von Anfang an mit dabei. Mittlerweile hat sich eine bunt gemischte Gruppe von etwa 40 Leuten mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale oder Lungenfibrose entwickelt. Finanziert wird das gesamte Projekt von Krankenkassenbeiträgen: Wenn ein Patient an der Übungsstunde teilnimmt, zahlen die Kassen über den HBRS fünf Euro an den Verein. Vor riesigen Problemen stehen wir allerdings, wenn im Sommer der Pollenflug die Teilnahme mehrerer Patienten verhindert, berichtet Stadtmüller. Weil die Krankenkassen bei Nichterscheinen eben auch nicht zahlen.
Das Prinzip der Übungseinheiten ist einfach: Die spielerische Form der Übungen von Luftballon-Balanzieren über Frisbee-Tennis soll den Patienten von seiner Atemnot ablenken und die gelernten Hilfestellungen automatisieren. Schließlich sollen die Teilnehmer Atemtechniken und Erleichterungsstellungen bei Atemnot erlernen, um im Alltag weniger von ihrer Erkrankung eingeschränkt zu sein, erklärt Köhler. Hinzu kommt das sichere Gefühl im Notfall innerhalb der Gruppe medizinisch versorgt zu sein, sodass diese Art Sport wie ein gut dosiertes Medikament wirkt, so der Lungenfacharzt Ulrich Köhler, der für die medizinische Betreuung der Teilnehmer verantwortlich ist. Abgerundet wird das Programm von Vorträgen und Expertenrunden, die regelmäßig nach den Übungseinheiten stattfinden. Wegen des großen Erfolges ist in Zukunft noch eine zweite Gruppe geplant, die sich speziell an Patienten richten soll, die auf Sauerstoffflaschen angewiesen sind.

Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.