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Tollhaus FC Bayern: Lahm und Toni zündeln

München (dpa) - Wieder kein Sieg, aber noch mehr Ärger - der FC Bayern wird zum Tollhaus. Das magere 1:1 gegen Schalke geriet beim Wirbel um die Fundamental-Kritik von Philipp Lahm an der Vereinsführung und der Stadionflucht des Weltmeisters Luca Toni nach seiner Auswechslung zur Nebensache. Diesen Artikel weiter lesen

Beide Fußball-Profis werden zum Rapport bei den Bossen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß antreten müssen. Es drohen Geldstrafen, womöglich Suspendierungen oder Abmahnungen, auch wenn der innerlich brodelnde Manager Hoeneß nach außen Contenance bewahrte: «Es macht keinen Sinn, jetzt Urteilssprüche anzukündigen.»

Ungemütlich bleibt der Münchner Herbststurm, der sich auf der Hauptversammlung am 27. November mit dem geplanten Stabwechsel von Franz Beckenbauer zu Uli Hoeneß in einem Orkan entladen könnte, auch für Louis van Gaal - obwohl der Trainer akut nicht um seinen Job bangen muss. «Es war kein katastrophales Spiel, sondern ein ordentliches. Wir werden in aller Ruhe bis Weihnachten abwarten und gucken, wie das Zwischenergebnis ist», sagte Hoeneß.

Trotz Mittelmaß, Platz acht und sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen hielt der Manager an seiner kühnen Platz-1-Prognose zum Jahresende fest: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Aber sie schwindet, zumal Abwehrchef Daniel van Buyten (31.) einmal mehr als Torschütze für die indisponierten Stürmer einspringen musste. Matip konnte per Kopf ausgleichen (43.). «Das war ein großes Erlebnis für mich - ein Super-Film», jubelte der 18 Jahre alte Schüler nach seinem Traum-Debüt bei den Profis.

«Die Tore fehlen, es ist frustrierend», stöhnte dagegen van Gaal, der angesichts der trüben Aussichten in der Champions League Erfolge in der Bundesliga braucht. Das Heimspiel gegen Leverkusen in zwei Wochen werde aber nicht zu seinem persönlichen Endspiel: «Das denke ich niemals. Wir haben aus den letzten neun Spielen 18 Punkte geholt. Mit einem Durchschnitt von zwei Punkten kann man Meister werden.»

Zunächst aber ist der innere Betriebsfrieden empfindlich gestört. Der sonst so loyale Angestellte Lahm legte am Spieltag mit fundierter Kritik in der «Süddeutschen Zeitung» den Finger in viele Wunden. Er monierte besonders die «nicht immer glücklichen Transfers» der Vereinsführung, die keinen erkennbaren Plan und eine klare Linie habe. Eine «Spielphilosophie» wie bei Manchester United oder dem FC Barcelona «gibt es bei uns nicht». Auch die Kollegen wurden nicht verschont. Im Mittelfeld sieht er «das größte Problem».

Rums, das saß! Und der seit 30 Jahren amtierende Hoeneß reagierte entsprechend verärgert: «Sie können sich sicher sein, dass er dieses Interview noch bedauern wird.» Inhaltlich ging der Manager nicht auf Lahms Denkanstöße ein. Er sieht den nach dem Spiel schweigenden Nationalspieler fremdgesteuert durch seinen Berater Roman Grill, «den nicht angenommenen Manager beim Hamburger SV». Hoeneß bezeichnete Lahms Vorgehen «als nicht klug in so einer Phase» und betonte: «Man kann mit uns über alles sprechen, aber bei uns hinter der Tür. Er hat eindeutig gegen die Regeln verstoßen.»

Lahm sei «mehr ein Fall für den Vorstand», bemerkte van Gaal. Tonis Absetzen vom Team noch vor Spielende aber wird der Coach ahnden müssen. «Das ist nicht gut für die Mannschaft und für Toni», rügte Disziplinfanatiker van Gaal. Wie blank die Nerven in München liegen, bewies auch das Revanchefoul von Arjen Robben an Lukas Schmitz - doch zum Glück für Bayern zog Schiedsrichter Florian Meyer Gelb statt Rot: «Es war definitiv keine Tätlichkeit. Robben stößt mit der Brust, nicht mit den Armen und nicht ins Gesicht», erläuterte Meyer. Doch Lahm, Toni, Robben, die Krise - Torschütze van Buyten schlug Alarm: «Wir müssen jetzt den FC Bayern zusammenhalten. Nur so werden wir da rauskommen. Wenn jeder seinen Weg geht, wird es schwierig.»

Bei Schalke gibt nur einer die Richtung vor - Felix Magath. Der Meistercoach zauberte mit dem 18 Jahre alten Bundesliga-Nobody Joel Matip, der in seinem ersten Profi-Spiel das Kopfballtor zum Ausgleich erzielte, ein neues Juwel aus dem Ärmel. Und wie beim 3:3 gegen Hamburg und dem 2:2 gegen Leverkusen wurden Moral, Disziplin und Kampfkraft belohnt. «Ich bin zufrieden», sagte Magath: «Wir haben gegen die Spitzenmannschaften der Liga nicht verloren. Wir halten uns gut. Wir sind knapp hinter der Spitze gut angesiedelt.»

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