Berlin (dpa) - Mit Staatsgästen aus aller Welt hat Deutschland den Mauerfall vor 20 Jahren als Zeitenwende der Weltpolitik gefeiert. Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigten bei den Feiern in Berlin den 9. November 1989 als einen der «glücklichsten Tage» in der jüngeren deutschen Geschichte. Diesen Artikel weiter lesen
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Merkel überquerte am Nachmittag zusammen mit dem ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow, dem früheren polnischen Gewerkschafter und Staatspräsidenten Lech Walesa, ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern sowie Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Bornholmer Brücke. Der einstige Grenz-Kontrollpunkt war am Abend des 9. November 1989 der erste, über den die Menschen aus dem Osten Berlins in den Westen strömten.
Köhler und Merkel riefen die Europäer auf, mehr Verantwortung in der Welt zu übernehmen. Zuvor hatte Köhler auch an die Pogromnacht von 1938 erinnert. «Der 9. November 1938 und der 9. November 1989 sind miteinander verbunden», betonte das deutsche Staatsoberhaupt.
Höhepunkt der Feiern soll am Abend das «Fest der Freiheit» am Brandenburger Tor sein. 1000 bemalte große Domino-Steine sollten als Symbol für den Einsturz der Mauer der Reihe nach umfallen. «Wir haben am 9. November 1989 das Unmögliche als möglich erlebt. Es ist eine wunderbare Erfahrung, dass Mauern eingerissen werden können», sagte Merkel auf einer Konferenz zu den internationalen Folgen des Mauerfalls. Die 1961 errichtete Berliner Mauer trennte den Osten und Westen der Stadt mehr als 28 Jahre lang und war Symbol der deutschen Teilung. SED-Politbüromitglied Günter Schabowski hatte am Abend des 9. November 1989 überraschend und fast beiläufig die Öffnung der DDR-Grenzen verkündet.
«Diese Welt wird keine friedliche Welt sein, wenn wir nicht zu mehr globaler Ordnung und zu mehr multilateraler Zusammenarbeit finden», sagte die Kanzlerin. Die im Dezember anstehende Klima- Konferenz von Kopenhagen werde beispielhaft dafür stehen, ob die Welt bereit sei, gemeinsam zu handeln in Bereichen, die nur global gelöst werden können. «Die spannendste Frage, um Mauern zu überwinden, wird sein: Sind die Nationalstaaten bereit und fähig, Kompetenzen an multilaterale Organisationen abzugeben - koste es, was es wolle», sagte Merkel.
US-Außenministerin Clinton hatte den Fall der Mauer als eines der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Dieses Ereignis habe «die Landschaft eines Kontinents verändert», sagte sie bei ihrem ersten Deutschland-Besuch als Ministerin. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, Deutschland sei dem amerikanischen Volk heute noch «sehr dankbar» für die damalige Hilfe. «(...) die Mauer wurde eingedrückt. Von Menschen, und zwar von Osten nach Westen. Sie wurde umgestürzt, abgetragen, niedergerissen, in einer friedlichen Revolution.»
Auch in vielen anderen Ländern wurde an das historische Ereignis erinnert. In London schmolz symbolisch eine Mauer aus Eis. Auf der Pariser Place de la Concorde werden am Abend Tausende zu einer Licht- und Tonschau erwartet, die per Live-Schaltung mit dem Festakt in Berlin verknüpft wird. In Rom wurde mit einem Mauerteil und einer multimedialen Show auf der weltbekannten Spanischen Treppe gefeiert. Auch in vielen Bundesländern, vor allem entlang der einstigen deutsch-deutschen Grenze, erinnerten die Menschen an den Mauerfall. Im einst getrennten Dorf Mödlareuth erinnerte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an die unvergessenen Bilder der Freude, des Jubels und der ungeheuren Erleichterung.
Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann sagte in Wien: «Heute vor 20 Jahren wurde den Menschen nicht nur ihre Freiheit, sondern auch ihre Hoffnung wiedergegeben.» Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat das klare Bekenntnis seines Landes zur Deutschen Einheit schon in der Wendezeit vor zwanzig Jahren hervorgehoben.
Alt-Kanzler Helmut Kohl nahm an den Feiern nicht teil. Bei einer Feier der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Mauerfall vor gut einer Woche war deutlich geworden, dass Kohl noch immer an den Folgen eines Sturzes leidet. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte unterdessen vor einer Verklärung Kohls als Kanzler der Einheit. «Der Mauerfall vor 20 Jahren ist nicht das Ergebnis einer genialen Politik und genialer Politiker, sondern des Mutes vieler namenloser Menschen und das müssen wir verteidigen», sagte Thierse dem Radiosender Bayern 2. «Nein, die Ostdeutschen haben die Mauer eingedrückt, damit hat Helmut Kohl nichts zu tun.» Die CDU reagierte empört.




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