München (dpa) - Nationalspieler Philipp Lahm muss nach seiner öffentlichen Kritik an der Vereinsführung des FC Bayern München zum Rapport und mit Konsequenzen rechnen. Diesen Artikel weiter lesen
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«Sie können sich sicher sein, dass er dieses Interview noch bedauern wird», sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß nach dem 1:1 gegen den FC Schalke 04 gegenüber Medienvertretern. Man werde das «in Ruhe mit ihm besprechen». Es sei nicht «gerade klug» von Lahm gewesen, vor so einem wichtigen Spiel so ein Interview zu geben, meinte Hoeneß. Auch Trainer Louis van Gaal kündigte ein Gespräch mit Lahm an. «Auch ich werde mit ihm reden. Ich denke aber, dass das mehr ein Fall für den Vorstand ist», meinte auch der Niederländer.
Mit bemerkenswerter Offenheit hatte Lahm die Probleme des FC Bayern dem neuen Coach van Gaal benannt. Er hielt dabei der Vereinsführung grobe Versäumnisse in der Planung und Transfer-Politik vor. «In der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich», erklärte der stellvertretende Kapitän vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen die «Knappen» (1:1) in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung». Lahm kritisierte als ein Grundübel das Fehlen einer «Spielphilosophie» beim Rekordmeister.
Bayerns Präsident Franz Beckenbauer forderte von Lahm, «sich selbst an die Nase zu fassen». «Er kommt auch nicht an seine beste Leistung heran», sagte Beckenbauer bei «Sky» in der Halbzeit-Pause. Ohne das Interview gelesen zu haben, wehrte sich der «Kaiser» gegen den Vorwurf einer verfehlten Einkaufspolitik: «Ich glaube, die Einkaufspolitik der letzten 40 Jahre war gut und fruchtbar. Umsonst sind wir nicht so oft Deutscher Meister geworden.» Manager Hoeneß bemühte nach der Partie den Vergleich mit einem Interview, das Bruno Labbadia noch als Coach von Bayer 04 Leverkusen vor dem DFB- Pokalfinale gegeben und damit für große Unruhe gesorgt hatte.
Lahm präzisierte in seiner Schelte: Vereine wie Manchester United oder der FC Barcelona gäben ein Spielsystem vor und würden dann gezielt dafür Spieler einkaufen, monierte er. «So etwas gibt es bei uns nicht: Dass der Verein etwas vorgibt und alles darauf aufgebaut wird», bemerkte der 25-Jährige. Seine Kritik erläuterte der Abwehrspieler unter anderem an den Millionen-Transfers von Mario Gomez und dem erst nach Saisonbeginn von Real Madrid verpflichteten Arjen Robben. «Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen. Und wir haben ja auch in der gesamten Vorbereitung nur 4-4-2 gespielt. Und dann kommt plötzlich Robben, ein toller Spieler, der zu uns passt - und der am liebsten 4- 3-3 spielt», erläuterte Lahm - und kommt zu dem Fazit: «Man darf Spieler nicht einfach kaufen, weil sie gut sind...»
Van Gaal gilt als Verfechter des 4-3-3-Systems mit zwei Außen- und nur einem zentralen Angreifer. Dann haben die Bayern aber mit Gomez, Luca Toni und Miroslav Klose ein Überangebot an Mittelstürmern, zwei müssen auf die Bank. Für das 4-4-3 werden der verletzte Franck Ribéry und der zuletzt am Knie operierte Robben gebraucht. Der FC Barcelona dagegen habe vor dieser Saison zwar den Schweden Zlatan Ibrahimovic gekauft, aber zugleich den Kameruner Samuel Eto'o abgegeben. «Weil sie gewusst haben: Bei uns spielen vorne (Thierry) Henry und Ibrahimovic, und ein Dritter von diesem Kaliber sorgt nur für Ärger, wenn einer immer auf der Bank sitzt», schilderte Lahm.
Der Vize-Kapitän fordert darum für die Zukunft vom Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge und Hoeneß: «Der Verein muss sagen, wenn ein Trainer kommt: So spielen wir.» Dass der Kader nicht stimmig zusammengestellt ist, zeige auch die Verpflichtung von Anatoli Timoschtschuk, der als klassischer Sechser halbrechts im Mittelfeld spielen müsse. Überhaupt, so Lahm, liege Bayerns «größtes Problem im Mittelfeld». Dort fehlt dem Verteidiger ein Spielbeschleuniger.
Aus den genannten Gründen sei auch van Gaal beim FC Bayern «noch auf der Suche» nach der richtigen Taktik und einer Stammelf. Dennoch traut der 26-Jährige dem Niederländer den Aufbau einer Mannschaft zu. Der Anpassungsprozess zwischen Team und Coach sei aber schwierig. «Viele haben noch so eine Mischung aus Respekt und Angst», verriet Lahm: «Aber er ist bestimmt kein Unmensch, er verlangt keine Undinge von uns. Es braucht noch Zeit, aber ich bin der Überzeugung, dass er ein guter Trainer ist.» Und van Gaal habe in seinen Analysen «recht». Im Vergleich zur vergangenen Saison unter Jürgen Klinsmann habe er «Hoffnung, weil ich Struktur erkennen kann», bemerkte Lahm. Man sei «auf dem richtigen Weg mit diesem Trainer», glaubt der Verteidiger.




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