Wiesbaden (dpa) - Durch Deutschland rollt eine Insolvenzwelle: Die Wirtschaftskrise treibt die Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen weiter in die Höhe. Im August stieg die Zahl der Firmenpleiten noch drastischer als im Juli. Diesen Artikel weiter lesen
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Gegenüber dem Vorjahresmonat registrierten die Ämter ein Plus von 12,3 Prozent auf 2619 Fälle, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Die mit den Insolvenzen zusammenhängenden offenen Forderungen der Gläubiger verdoppelten sich fast auf 4,3 Milliarden Euro.
Gerichtsvollzieher erwarten daher 2010 eine neue Welle von Zwangsvollstreckungen. Derzeit sind nach Angaben ihres Verbandes bereits 3,5 bis 4 Millionen Haushalte verschuldet. Die durchschnittliche Verschuldung liegt bei 36 000 Euro, hieß es. Konjunkturexperten gehen trotz der leichten Erholung der Wirtschaft in den kommenden Monaten von einem weiteren Anstieg der Pleiten aus. Insolvenzverwalter wie der Verband VID warnen davor, dass eine große Zahl eigentlich gesunder Unternehmen Insolvenz anmelden müsse. Der Verband kritisiert die Kreditvergabe der Banken als zu vorsichtig.
«Die zahlreichen Firmenpleiten werden die Arbeitslosigkeit nach oben schnellen lassen. Wir erwarten im nächsten Jahr einen Höchststand von 4,25 Millionen Arbeitslosen», schrieb der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees.
Bei den Verbrauchern gab es dagegen nur einen minimalen Zuwachs von 0,3 Prozent auf 7858 Insolvenzen. Insgesamt verzeichneten die Gerichte 12 874 Insolvenzen - das entsprach einem Plus von 3,5 Prozent.
Für die ersten acht Monate des Jahres ergibt sich ein ähnliches Bild. In diesem Zeitraum kletterten die Firmenpleiten um 15,5 Prozent auf 21 807 Insolvenzen. Die Verbraucherinsolvenzen gingen dagegen um 1,1 Prozent auf 65 710 Fälle zurück. Für den Vergleich wurden die Daten aus 15 Bundesländern ausgewertet, weil Nordrhein-Westfalen im ersten Quartal 2008 Insolvenzen des Jahres 2007 nachgemeldet hatte und die Zahlen daher nicht vergleichbar sind.
Nach Einschätzung des Deutschen Gerichtsvollzieher Bundes (DGVB) hat sich mit der Finanzkrise die Klientel der Gerichtsvollzieher deutlich geändert. «Wir haben es mit einer neuen Art von Schuldnern zu tun», sagte deren Vorsitzender Rüdiger Majewski in Heidelberg der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Inzwischen sind längst nicht mehr hauptsächlich Arbeitslose von der Zwangsvollstreckung betroffen. Neben Verbrauchern trifft es zunehmend Mittelständler oder Gastronomen», sagte Majewski. Diese gerieten oft durch die zähe Vergabe von Krediten in Zahlungsschwierigkeiten.
Von einem modernisierten Gesetz, das zum 1. Januar 2013 in Kraft tritt, erhofft sich der Verband wesentliche Verbesserungen. So sind künftig verstärkt Ratenzahlungen vorgesehen. «Bislang muss der Schuldner seine Schulden spätestens innerhalb von sechs Monaten abgezahlt haben, künftig hat er ein Jahr Zeit», erklärte Majewski. «Stimmt der Gläubiger zu, kann sogar völlig auf ein Zeitlimit verzichtet werden.» An die Stelle des schlichten Einzugs von Forderungen trete ein sogenanntes Forderungsmanagement.
Angesichts der Finanzkrise erwarten deutsche Gerichtsvollzieher spätestens bis zum Sommer 2010 einen deutlichen Anstieg der Zwangsvollstreckungen. «Das beginnt jetzt langsam», sagte Majewski. Es brauche eine gewisse Zeit, bis die Mahnverfahren abgeschlossen sind und Gläubiger bei Gericht ihre Titel durchgesetzt haben. «Danach kommt aber mit Sicherheit eine gewaltige Welle auf uns zu.» Die Zwangsversteigerungen hätten bereits deutlich zugenommen.




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