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Van Gaal mit FC Bayern München in Not

München (dpa) - Die entsetzten Bosse flüchteten sprachlos vom Ort des Schreckens, der sichtlich angeschlagene Trainer suchte Zuflucht in Durchhalteparolen. Diesen Artikel weiter lesen

«Wir sind noch nicht ausgeschieden, wir haben noch eine kleine Chance», sagte Louis van Gaal. Überzeugend klangen seine Worte nach der höchsten Heimpleite des FC Bayern München in der Champions League nicht, denn das 0:2 (0:1) gegen Girondins Bordeaux kam einer Bankrotterklärung des für 75 Millionen Euro aufgemotzten Star-Ensembles auf der europäischen Fußball-Bühne gleich. Selbst van Gaal gestand: «Wir waren nicht gut genug.»

Auch wenn die Bayern fehlendes Glück im Abschluss und einen Elfmeterklau beklagten und der K.o. in der Königsklasse noch nicht besiegelt ist, liegen sie am Boden. «Die Hoffnung ist da, aber es ist schwer, dran zu glauben», sagte Philipp Lahm zur verbliebenen Minimal-Chance auf das Achtelfinale. «Wir müssen beide Spiele gewinnen und hoffen, dass Juventus Turin nicht am nächsten Spieltag in Bordeaux gewinnt», beschrieb Arjen Robben die Notlage.

Nach 2002 stehen die Bayern überhaupt erst zum zweiten Mal vor dem Vorrunden-Aus - statt Barcelona, Madrid oder Manchester droht der Abstieg als Gruppendritter in die Europa League und damit 2010 Strafexpeditionen ins lettische Ventspils oder nach Moldawien gegen Sheriff Tiraspol. «Es sind noch zwei Spieltage, davor reden wir sicherlich nicht von der Europa League», verdrängte Torwart Jörg Butt den gruseligen Gedanken an den UEFA-Cup-Nachfolge-Wettbewerb.

Sei's drum: Nur ein halbes Jahr nach dem Rauswurf von Jürgen Klinsmann, der in der Vorsaison als Gruppensieger ins Achtelfinale marschierte, steckt der Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß schon wieder im Dilemma. Unter van Gaal sind die Resultate noch schlechter, der Fußball auch - trotzdem können die Bosse nicht schon wieder die Reißleine ziehen; noch nicht. «Klar, dass es jetzt unruhig wird», bemerkte Torhüter Jörg Butt. Zunächst war allerdings ganz normal Training beim FC Bayern. «Das Leben geht weiter», fiel van Gaal zur Lage ein.

Statt Klinsmann'schem Harakiri-Fußball wird den Fans unter dem selbst ernannten «Prozess-Trainer» nun langweiliges Ballgeschiebe geboten. Quer- und Rückpässe sind aber kein Ausdruck von Dominanz. «Es hat in allen Bereichen nicht gepasst», gestand Butt nach dem Bordeaux-Schock. Das Aufbäumen nach der Pause war zu wenig, «da haben wir volles Risiko gespielt und hatten drei Riesenmöglichkeiten, da kann man uns nichts vorwerfen», warb Mark van Bommel um Nachsicht.

Der Kapitän patzte beim ersten Tor von Yoann Gourcuff (37.). Das zweite von Marouane Charmakh (89.) war ein Gemeinschafts-Geschenk von Butt und Verteidiger Holger Badstuber. «Man hat gespürt, dass die Bayern ein geschwächtes Selbstvertrauen hatten, das haben wir ausgenutzt», kommentierte Bordeaux-Coach Laurent Blanc.

Die Bayern verbreiten keinen Schrecken mehr, hieß das. Ohne Robben, der sich nach seiner Knie-Operation «noch nicht topfit» fühlt und nur als Joker dem lethargischen Team etwas Leben einhauchen konnte, sowie dem verletzten Franck Ribéry geht nichts. «Wir wissen, dass Kreativität fehlt. Wenn Ribéry und Robben fehlen, müssen wir Positionsspiel und Ordnung haben. Wir sind im Moment nicht in der Lage, den französischen Meister auszuspielen», klagte van Gaal.

Das allein genügt als Begründung nicht. Bei 35-Millionen-Einkauf Mario Gomez stimmte zu Saisonbeginn immerhin die Torquote - trotzdem degradierte ihn der Coach zum Bankhocker. Van Gaals Wunschspieler Edson Braafheid und Danijel Pranjic stümperten erneut auf der linken Seite herum, die mit Ribéry und Lahm im Vorjahr noch das Bayern- Prunkstück war. «Von den Spielern sind wir nicht schlechter besetzt als Bordeaux - im Gegenteil», bemerkte Gomez vielsagend.

Es herrscht Alarm in München, die Stimmung ist explosiv vor dem brisanten Duell mit Magath. Gegen Schalke gab's am 25. April 2009 zudem die letzte Heimniederlage in der Bundesliga (0:1). «Wir müssen jetzt ruhig bleiben und gegen Schalke wieder bereit sein», mahnte Robben. Sonst können selbst die Bosse kaum weiter schweigen.

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