Berlin (dpa) - Rettungsdienste müssen künftig möglicherweise ohne Zivildienstleistende auskommen. Mehrere Wohlfahrtsverbände erwägen, in einigen Bereichen komplett auf die Zivis zu verzichten. Grund ist die geplante Verkürzung des Zivildienstes von neun auf sechs Monate. Diesen Artikel weiter lesen
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Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte, vor allem im Rettungsdienst bleibe dann nicht mehr viel Zeit für die eigentliche Arbeit. Um in diesem Bereich Kriegsdienstverweigerer einzusetzen, müssten sie erst einmal drei Monate ausgebildet werden, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, Werner Hesse, am Dienstag. Die Verbände dringen nun auf eine Stärkung freiwilliger Dienste.
Die neue Bundesregierung aus Union und FDP will die Wehrpflicht vom Jahr 2011 an von neun auf sechs Monate kürzen. Der Zivildienst, 1961 als Ersatzdienst eingeführt, würde damit ebenfalls auf ein halbes Jahr gekappt. In den 1980er Jahren hatte er bis zu 20 Monate gedauert. Derzeit sind rund 76 000 Zivis im Einsatz.
Kritisch wird die geplante Änderung auch von Vertretern der anderen Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege wie Caritas oder Rotes Kreuz gesehen. Bei verkürztem Dienst würden Hilfsbedürftige einem unzumutbar häufigen Wechsel der Bezugspersonen ausgesetzt. Bei einfacheren Tätigkeiten wie Fahrdiensten und «Essen auf Rädern» könne man Zivis aber weiterhin brauchen.
Deshalb sehen die meisten Verbände beim Zivildienst noch keinen Einstieg in den Ausstieg. Caritas-Präsident Peter Neher glaubt, dass junge Männer als Zivis auch weiterhin etwas fürs Leben lernen können. Ähnlich sieht man es beim Diakonischen Werk. «Auch bei einer Verkürzung auf sechs Monate sind sinnvolle Tätigkeiten möglich», teilte Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik mit.
Hesse betonte, der Paritätische Wohlfahrtsverband werde sich nicht generell vom Zivildienst verabschieden. «Jede Einsatzstelle entscheidet das für sich.» Unter dem Dach des Spitzenverbandes stehen mehr als 10 000 eigenständige Organisationen, darunter das Deutsche Jugendherbergswerk, die Volkssolidarität und die SOS-Kinderdörfer. Zusammen beschäftigen sie rund 15 000 Zivis.
Auch eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sagte: «Die einzelnen Rot-Kreuz-Verbände müssen sich überlegen, ob sich der Einsatz von Zivildienstleistenden nach einer Verkürzung für sie noch lohnt.» Das DRK beschäftigt jährlich 8000 Kriegsdienstverweigerer, davon 2000 im Rettungsdienst.
Beim Malteser Hilfsdienst und bei der Johanniter-Unfall-Hilfe sind Zivis im Rettungsdienst jetzt schon die Ausnahme. Diese Arbeit sei zu «komplex». Die jungen Männer arbeiten dort vor allem in der Pflege und Betreuung alter und behinderter Menschen. Für diese Bereiche sehen die Verbände auch eine Zukunft des Zivildienstes. «Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, einen theatralischen Ausstieg zu planen», sagte die Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Karin Deckenbach.
Die AWO dringt nun ebenso wie andere Verbände auf eine Stärkung freiwilliger Sozialdienste. Deckenbach forderte, junge Männer und Frauen, die ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) leisten, genauso zu bezahlen wie Zivis. Die AWO zahlt den Freiwilligen ein Taschengeld von rund 180 Euro monatlich, Zivis bekommen im Schnitt 550 Euro.
Auch SPD und Grüne plädierten dafür, das Geld für den Zivildienst künftig lieber in den freiwilligen Einsatz junger Leute zu stecken. Eine Verlängerung des Zivildienstes auf freiwilliger Basis sei keine Lösung. Das würde nur zu mehr Bürokratie führen, befürchtet die jugendpolitische Sprecherin der Bundestags-SPD Caren Marks. Grünen- Fachsprecher Kai Gehring warf Schwarz-Gelb vor, Koalitionskonflikte auf dem Rücken Hilfsbedürftiger auszutragen. Die FDP will die Wehrpflicht eigentlich abschaffen, hatte sich mit dieser Forderung aber nicht gegen CDU und CSU durchsetzen können.
Von Michael Kieffer, dpa




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