Den Haag (dpa) - Der wegen Völkermordes angeklagte frühere Serbenführer Radovan Karadzic will am Dienstag vor den Richtern erscheinen, den eigentlichen Prozess aber weiter boykottieren. Das kündigte er in einem Schreiben an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag an. Diesen Artikel weiter lesen
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Er werde an der Anhörung zum weiteren Verlauf des Verfahrens teilnehmen, schrieb Karadzic in dem am Montag vom Gericht veröffentlichten Brief. «Ich hoffe, wir werden in der Lage sein, eine Lösung zu finden, die nicht nur einen raschen, sondern auch einen fairen Prozess ermöglicht», heißt es darin. Die Anhörung wurde vom Vorsitzenden Richter O-Gon Kwon angesetzt.
Zugleich machte der einstige Präsident der bosnischen Serbenrepublik und Oberkommandierende der Streitkräfte klar, dass er den eigentlichen Prozess vorerst weiter boykottiert. Entsprechend weigerte er sich am Montag erneut, seine Zelle im Den Haager UN- Untersuchungsgefängnis zu verlassen, und in den Gerichtssaal 1 des Jugoslawien-Tribunals gebracht zu werden. Dort sollte der zweite Teil der Anklage gegen ihn verlesen werden.
Bei der Anhörung am Dienstag wolle Karadzic nochmals bekräftigen, dass ihm nicht genügend Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung gegeben worden sei, erklärte sein Rechtsberater Marko Sladojevic. Der 64-Jährige hatte das bereits als Begründung dafür angegeben, dass er der Eröffnung des Prozess vor einer Woche fernblieb. In seinem neuen Brief an das Gericht schrieb Karadzic: «Ich versichere Ihnen, dass ich weiter hart daran arbeite, meinen Prozess vorzubereiten und meine Eröffnungserklärung abzugeben, sobald ich mich dazu in der Lage sehe.»
Das Gericht muss am Dienstag entscheiden, ob und wie der Prozess ohne den Angeklagten weitergehen kann. Karadzic war nach seiner Verhaftung im Sommer 2008 gestattet worden, sich selbst zu verteidigen. Daher ist seine Anwesenheit erforderlich, sobald die Beweisaufnahme und die Befragung von Zeugen beginnen soll. Das Gericht könnte jetzt aber entscheiden, ihm dieses Recht mangels Kooperation zu entziehen und einen Pflichtverteidiger einzusetzen.
Karadzic ist in elf Punkten wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen während des Bosnienkrieges 1992-1995 angeklagt, dem etwa 100 000 Menschen zum Opfer fielen. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, die Massaker an bis zu 8000 muslimischen Männern und Jungen im Sommer 1995 in der UN-Schutzzone Srebrenica angeordnet zu haben. Er soll zudem verantwortlich sein für die mit Massenmorden und Massenvergewaltigungen durchgesetzte Vertreibung Zehntausender bosnischer Muslime und Kroaten aus Gebieten, die von Serben beansprucht wurden. Karadzic droht lebenslange Haft. Er hat bislang alle Vorwürfe bestritten.




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