Berlin (dpa) - Sie hat feuerrote Haare und nimmt es mit jedem Herausforderer auf. Jetzt hat «Die rote Zora» auch die deutsche Opernbühne erobert. Diesen Artikel weiter lesen
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Kinder und Erwachsene feierten die Deutschlandpremiere an der Komischen Oper Berlin am Sonntagabend mit lautstarkem Jubel. Das Stück basiert auf dem Romanklassiker von Kurt Held (1897-1959).
Erzählt wird die Geschichte von Zora und ihrer Bande, die sich als Straßenkinder in der harten Welt der Erwachsenen behaupten müssen - ein Stoff, der heute noch aktueller als zu seiner Entstehungszeit ist. Die temperamentvolle, zeitgenössische Musik der Kinderoper ab acht Jahren hat die Österreicherin Elisabeth Naske komponiert.
Kurt Held, im bürgerlichen Leben Kurt Kläber, war während einer Jugoslawien-Reise in den 30er Jahren tatsächlich einer Bande von Waisenkindern begegnet, die von einem Mädchen namens Zora angeführt wurde. Ihre Erlebnisse inspirierten ihn zu seinem 1941 erstmals erschienenen Buch.
Opernregisseurin Jasmina Hadziahmetovic, selbst aus Sarajevo stammend, packt viel in die Geschichte hinein: Abenteuer und das leichte, mediterrane Lebensgefühl, das sich samt Balkan-Melodien auch in der Musik wiederfindet. Aber auch geballte Gesellschaftskritik.
Keiner kümmert sich um die herumstreunenden Kinder. Der Fischer, der sich ihrer schließlich annimmt, ist selbst ein Opfer. Der Direktor der örtlichen Fischstäbchen-Fabrik will ihn vom Markt drängen. Als die Situation in dem kleinen Dorf eskaliert, proben die Fabrikarbeiter den Aufstand. Und Zora, Branko, Nikola, Djuro und Pavle bekommen endlich die Aufmerksamkeit und Fürsorge, die ihnen zusteht. Dabei lassen alle dem anderen genau die Freiheit, die er braucht.
Hadziahmetovic gelingt es, dabei weder pathetisch noch belehrend zu werden. Das liegt am geschickten Wechsel zwischen witzigen und ernsten Szenen. Einen entscheidenden Anteil daran haben aber auch das großartige Bühnenbild von Robert Pflanz und die fantasievollen Kostüme von Mechthild Feuerstein.
Die Spielfläche hinter dem Hafenkai ist ganz in Meeresblau getaucht. Die Fischstäbchen-Fabrik ist ein irrer Container, der aus Fisch ein rechteckiges, paniertes Etwas macht. In blauen Uniformen und weißen Gummistiefeln tritt der Chor der Arbeiter auf.
In wunderschönen Szenen unter Wasser versammeln sich Krake, Muräne, Qualle und See-Nelke zum Ballett. Später tritt ein Thunfisch-Chor auf. Und spätestens wenn freche Seepferdchen auf Unterwasser-Rollschuhen umherflitzen, juchzen die Kinder im Publikum.
Die 31 Jahre alte, niederländische Zora-Darstellerin Olivia Vermeulen und ihre Sängerkollegen artikulieren ausgesprochen klar und auch für junge Zuhörer verständlich. Wobei das Orchester unter der Leitung von Catherine Larsen-Maguire an manchen Stellen in der Lautstärke zurückhaltender sein könnte.
In den 70er Jahren lief «Zora» als 13-teilige Serie im Fernsehen, 2008 gab es einen «Zora»-Kinofilm mit Ben Becker und Mario Adorf. Die Kinderoper zeigt, dass Helds Geschichte auch 68 Jahre nach ihrer Entstehung ein Publikum fesseln kann.




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