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Tarifexperte erwartet deutliche Lohnforderungen

Düsseldorf (dpa) - In den Tarifrunden 2010 wird es nach Einschätzung des gewerkschaftsnahen WSI-Tarifarchivs neben der Beschäftigungssicherung auch um deutliche Lohnsteigerungen gehen. Diesen Artikel weiter lesen

«Die Forderungen für die ersten Tarifrunden des neuen Jahres im öffentlichen Dienst und in der Chemieindustrie werden in den kommenden Wochen aufgestellt», sagte der WSI-Referatsleiter, Reinhard Bispinck, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Legt man die trendmäßige Produktivitätssteigerung und die von der Europäischen Zentralbank angestrebte Inflationsobergrenze von nicht mehr als 2 Prozent zugrunde, könnten sich Forderungen von 2,5 bis 5 Prozent ergeben», rechnete Bispinck vor. In einigen Branchen könnte das Gebot der Stunde sein, eine Tarifsteigerung mit einer Beschäftigungssicherung zu einem Gesamtpaket zu schnüren.

Die Tarifabschlüsse 2009 seien aus Gewerkschaftssicht erfolgreich gewesen. «Zur Jahresmitte betrugen die Tarifsteigerungen im Schnitt 3 Prozent», schilderte Bispinck. Auch im Gesamtjahr 2009 werde die Durchschnittszahl deutlich über der Inflationsrate liegen. «Da gibt es aber ein großes Aber.» Durch die Folgen der Wirtschaftskrise wie Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzung hätten zahlreiche Beschäftigte am Monatsende weniger Geld in der Lohntüte. Die Öffnungsklauseln in den einzelnen Tarifverträgen würden von Unternehmen genutzt. Hinzu komme, dass nur sechs von zehn Arbeitnehmern in einem tarifgebundenen Betrieb arbeiteten. Im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt gesehen dürften die effektiven Löhne 2009 im sechsten Jahr in Folge sinken.

Bei der Tarifrunde 2010 für den öffentlichen Dienst gehe es um die Beschäftigten von Bund und Gemeinden. Der alte Tarifvertrag laufe Ende 2009 aus. In der Chemieindustrie endeten die regionalen Tarifverträge im März und April 2010. Die dritte große Tarifrunde des Jahres 2010 stehe in der Metall- und Elektroindustrie an. Der alte Tarifvertrag laufe Ende April aus. «Beschäftigungssicherung und Reallohnsteigerungen müssen kein Gegensatz sein», meinte Bispinck. Dafür sei die Metall- und Elektroindustrie selbst ein gutes Beispiel. Durch die Öffnungsklauseln im Flächentarifvertrag sei es möglich, die Wochenarbeitszeit herabzusetzen mit einer entsprechender Lohnkürzung. «Solche Regelungsmöglichkeiten haben wir mehr oder weniger in allen Branchen.»

Für mehrere Millionen Arbeitnehmer stünden Tarifsteigerungen im kommenden Jahr durch frühere Abschlüsse bereits fest. «Eine ganze Reihe von Tariferhöhungen im Volumen von 1,2 bis 2,5 Prozent ist gesetzt», erläuterte der Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

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