Rüsselsheim (dpa) - Der monatelange Verkaufsmarathon um den Autobauer Opel könnte in dieser Woche zu Ende gehen. Wer Chef von «New Opel» werden soll, ist einem Medienbericht zufolge noch offen. Diesen Artikel weiter lesen
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Unternehmenskreise und der Betriebsrat gehen davon aus, dass der Verwaltungsrat des bisherigen Mutterkonzerns General Motors (GM) auf seiner Sitzung am Dienstag den Verkauf von Opel an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna bestätigt. Sollte GM sich aber doch entschließen, Opel zu behalten und aus eigener Kraft zu sanieren, bereiten sich die Arbeitnehmer laut Betriebsrat auf Proteste vor. Sie fürchten die Schließung des Bochumer Werkes.
Bis zuletzt werden Magna, GM und der Opel-Betriebsrat noch über die künftige Mitbestimmung der Arbeitnehmer verhandeln. Sie sollen durch Lohneinbußen bis 2014 auf jährlich 265 Millionen Euro verzichten und zehn Prozent der Anteile an «New Opel» übernehmen. Im Gegenzug wollen sie bei geplanten Standortverlagerungen künftig mitentscheiden. Der Opel-Betriebsrat strebt bei den Verhandlungen eine Einigung in den nächsten Tagen an. «Dann kann der Kaufvertrag bis Ende der Woche unterzeichnet werden», sagte Betriebsratschef Klaus Franz der dpa.
Nach einem Bericht der «Wirtschaftswoche» könnte Opel nach Abschluss des Verkaufsprozesses doch nicht vom langjährigen Opel-Chef und jetzigen Spitzenmanager der GM-Europasparte, Carl-Peter Forster, geführt werden. Vielmehr solle mit Herbert Demel ein Manager aus den Reihen des neuen Eigners Magna zum Zuge kommen, meldet die «Wirtschaftswoche» unter Berufung auf Magna-Kreise. Der 55-jährige Forster, der von 2001-2004 Opel-Chef war, gilt seit Monaten als designierter Chef von «New Opel».
Bereits im September hatte der GM-Verwaltungsrat eine Empfehlung zugunsten von Magna ausgesprochen. Rechtlich verbindlich wird aber erst der Kaufvertrag sein. Nach Bedenken der EU-Kommission hatte GM zuletzt gezögert und das Datum für die Vertragsunterzeichnung mehrfach verschoben. Daher waren Spekulationen aufgekommen, dass der US-Autobauer von dem Verkauf an Magna und den russischen Partner Sberbank abrückt und seine deutsche Tochter eigenständig sanieren möchte. Dem widersprachen die Bundesregierung und der Betriebsrat.
Der Bochumer Betriebsrat befürchtet das Aus für das Werk in Bochum, sollte Opel beim GM-Konzern verbleiben. «Wir lassen nicht unser Werk schließen», sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel der «Automobilwoche». Die staatliche Überbrückungshilfe von 1,5 Milliarden Euro reiche dank guter Geschäfte infolge der Abwrackprämie noch bis ins kommende Jahr hinein.
Auch die IG Metall lehnt einen Verbleib des Rüsselsheimer Autobauers bei seiner amerikanischen Muttergesellschaft ab. «Opel hat nur dann eine Überlebenschance, wenn das Unternehmen mit entsprechenden Finanzen ausgerüstet wird. GM hat diese Mittel jedoch nicht», sagte der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, der «Welt am Sonntag». Er glaube nicht, dass das Paket unter der neuen schwarz-gelben Regierung noch mal aufgeschnürt werde.
Die EU-Kommission muss die 4,5 Milliarden Euro Staatshilfen für Opel genehmigen. Das Gremium hat Bedenken, dass die Gelder die deutschen Standorte einseitig bevorzugen könnten. Das von der EU- Kommission geforderte Schreiben will GM «demnächst» abschicken, hatte Konzernchef Fritz Henderson vor einigen Tagen angekündigt. Zudem hat EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes laut Bundeswirtschaftsministerium eine schnelle Prüfung der Vereinbarungen zur Zukunft des Autobauers Opel zugesagt.
Gesamtbetriebsratschef Franz gab sich zuversichtlich: «Wir sind durch und sehen Licht am Ende des Tunnels.» Allerdings gebe es zwei Voraussetzungen für finanzielle Zugeständnisse der Beschäftigten: «Dass wir den letzten offenen Punkt noch lösen und dass der Mutterkonzern General Motors Opel tatsächlich an Magna verkauft.»



