Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat während eines Besuchs in Afghanistan die dortige Regierung aufgefordert, klare Ziele für die weitere Entwicklung des Landes zu benennen. In Kabul sprach Guttenberg mit Präsident Hamid Karsai, seinem Kollegen Abdul Rahim Wardak und dem US-Kommandeur der NATO-Truppe ISAF, Stanley McChrystal. In Masar-i-Scharif stand ein Treffen mit Bundeswehrsoldaten auf dem Programm. Diesen Artikel weiter lesen
Zum Auftakt seines aus Sicherheitsgründen nicht angekündigten Afghanistan-Besuchs traf Guttenberg in Kabul mit dem deutschen Botschafter Werner Hans Lauk, Beamten der EU-Polizeimission (EUPOL) sowie Mitarbeitern deutscher Stiftungen und Entwicklungshilfeorganisationen zusammen. Im Hauptquartier der ISAF-Truppe fand eine Begegnung mit deren Befehlshaber McChrystal statt.
Vor dem Weiterflug nach Masar-i-Scharif sagte Guttenberg, die Regierung Karsai müsse "jetzt in Vorlage treten" und vor der Anfang kommenden Jahres geplanten internationalen Afghanistankonferenz "vernünftige Zielsetzungen" festlegen. Die Regierung in Kabul müsse erklären, wie sie für ihre eigene Sicherheit sorgen wolle.
Im Ehrenhain von Masar-i-Scharif gedachte Guttenberg anschließend der beim Einsatz in Nordafghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten. Am Freitag will der Minister dem bei Kundus gelegenen Wiederaufbauteam (PRT) der Bundeswehr einen Besuch abstatten. Der Bundestag entscheidet im Dezember über eine Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr.
Die NATO will die Verantwortung für die Sicherheit am Hindukusch bereits ab 2010 an die Afghanen übergeben. Das kündigte der Generalsekretär der Militärallianz, Anders Fogh Rasmussen, nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown in London an. Davon könnte nach Angaben aus der NATO auch die Bundeswehr betroffen sein, die mit bis zu 4500 Soldaten in Nordafghanistan das Oberkommando hat.
Hintergrund für die Übergabepläne ist der immer lauter werdende Ruf nach einem Abzug aus Afghanistan in vielen der 28 Mitgliedstaaten der Militärallianz. Die NATO will den afghanischen Sicherheitskräften deshalb schrittweise die Verantwortung übergeben. McChrystal zufolge müsste die NATO dafür 400.000 afghanische Soldaten und Polizisten ausbilden. Das ist mehr als doppelt so viel wie bisher geplant.
Guttenberg hatte vor seinem Antrittsbesuch bei der NATO am Mittwoch in Brüssel eine Aufstockung des deutschen Truppenkontingents in Afghanistan nicht ausgeschlossen.




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