Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall gibt es auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine tiefe Kluft zwischen Ost und West. Nach einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) suchen in den neuen Bundesländern immer noch fast doppelt so viele Menschen einen Job wie in den alten Ländern, wie die "Berliner Zeitung" in ihrer Wochenendausgabe berichtete. Während die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland im September bei 13,7 Prozent lag, betrug sie im Westen demnach lediglich 7,7 Prozent bezogen auf angestellte Mitarbeiter. Diesen Artikel weiter lesen
Zwar gebe es nach jahrelanger Rekordarbeitslosigkeit leichte Anzeichen der Besserung, so der DGB. Jedoch sei diese Entwicklung schmerzhaft erkauft durch anhaltende Abwanderung und einen im Osten schneller voranschreitenden demografischen Wandel.
Ein Grund für den Wegzug sei, dass im Osten viele Menschen nur im Niedriglohnsektor Arbeit fänden und im Ergebnis zusätzlich zu ihrem Lohn auch noch auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen seien. Während im September dieses Jahres jeder sechste Ostdeutsche Hartz-IV-Leistungen bezog, sei es in Westdeutschland nur jeder zwölfte gewesen. Der DGB forderte die Regierung deshalb zu einer verstärkten Förderung in den betroffenen Ländern auf. "Die Menschen in Ostdeutschland brauchen Perspektiven, die über kurzatmige Ein-Euro-Jobs hinausgehen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Zeitung.
IG Metall-Chef Berthold Huber forderte eine Angleichung des Lohnniveaus zwischen Ost und West. "Die neuen Bundesländer haben keine Zukunft als Region, in der die Menschen weniger Rechte und niedrigste Löhne haben", sagte Huber der "Leipziger Volkszeitung". Hunderttausende seien abgewandert oder pendelten in den Westen, "weil sie trotz vergleichbarer Arbeitsbedingungen und zum Teil längerer Arbeitszeiten weiterhin nur Entgelte erhalten, die je nach Branche bis zu 30 Prozent unter Westgehalt liegen". Ein erheblicher Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung sei trotz harter Arbeit auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Huber warnte die Unternehmen vor einem Fachkräftemangel in Ostdeutschland. "Den Kampf um die klügsten Köpfe gewinnt man nicht mit unter 7,50 Euro Stundenlohn", sagte er.




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