Im Fall der 18 Jahre lang von einem Entführer festgehaltenen Jaycee Dugard haben die kalifornischen Behörden laut einem Untersuchungsbericht schwere Fehler begangen. Am fatalsten sei die Entscheidung gewesen, den bereits wegen Vergewaltigung verurteilten mutmaßlichen Kidnapper Philipp Garrido als nur gering gefährlich einzustufen, hieß es in der am Mittwoch veröffentlichte Kurzfassung. Diesen Artikel weiter lesen
Auch der Polizei werden Versäumnisse vorgeworfen. "Viele Möglichkeiten wurden vertan und Hinweise übersehen," kritisierte der Autor des Untersuchungsberichts, Kaliforniens Generalinspektor David Shaw, vor Journalisten in Sacramento. Die Beamten der Strafvollzugsbehörden hätten zahlreiche Gelegenheiten verpasst, die von Garrido entführte Dugard und ihre gemeinsam mit dem Entführer gezeugten zwei Töchter zu entdecken.
Bewährungshelfern seien bei insgesamt 60 Besuchen weder die Zelte noch die Hütten im Hinterhof von Garridos Haus aufgefallen, in denen Dugard und die beiden Mädchen festgehalten wurden. Auch die zu dem Hinterhofkomplex laufenden Stromkabel und andere Leitungen hätten niemanden stutzig gemacht. Selbst das plötzliche Auftauchen eines zwölfjährigen Mädchens in dem Haus sei von niemandem hinterfragt worden, hieß es in dem Untersuchungsbericht. Weder die Nachbarn noch die örtlichen Behörden seien angehört worden.
Garrido, der wegen einer früheren Vergewaltigung zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, jedoch schon nach elf Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, habe in zahlreichen Fällen gegen die Bewährungsauflagen verstoßen, stellte Shaw fest. Der vermutlich größte Fehler sei gewesen, dass die Gefahr eines Rückfalls bei ihm als gering eingeschätzt wurde. Wäre das Rückfallrisiko als hoch eingeschätzt worden, hätte die Beamten doppelt so viel Zeit für seine Überwachung gehabt. Wohl auch deshalb wurden Hinweise des GPS-Systems missachtet, das Garrido ständig am Fuß tragen musste und das Verstöße gegen die Bewährungsauflagen meldete.
Zwar glaube er nicht, dass das Überwachungssystem insgesamt untauglich sei, doch könnte es in vielen Punkten verbessert werden, stellte Shaw fest. Der Leiter des kalifornischen Strafvollzugs, Matthew Cate, räumte schwerwiegende Fehler ein. Die Beamten müssten "ohne Zweifel" künftig besser für den Schutz der Bürger vor "diesen erbärmlichen Übeltaten" ausgebildet werden.
Garrido steht im Verdacht, die inzwischen 29 Jahre alte Dugard im Alter von elf Jahren verschleppt und mit Wissen seiner Frau 18 Jahre lang als Sexsklavin in einem Zelt im Hinterhof seines Hauses in Antioch festgehalten zu haben. Dort bekam sie zwei Kinder von ihm. Erst Ende August wurden sie und ihre Töchter durch einen Zufall entdeckt und befreit.




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