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Berlin weist Pariser Kritik an Afghanistan-Einsatz zurück

Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hat den deutschen Einsatz in Afghanistan scharf kritisiert und damit umgehend Widerspruch beim Verteidigungsministerium in Berlin hervorgerufen. Die deutschen Soldaten seien "nicht dort, um zu kämpfen", sagte Kouchner in dem Gespräch mit Journalisten, in dem er den Militäreinsatz insgesamt bemängelte. Die Kommunikation unter den Verbündeten sei unzureichend. Diesen Artikel weiter lesen

Die NATO funktioniere in Afghanistan "überhaupt nicht", sagte Kouchner in dem Gespräch, das unter anderem von der "New York Times" und der "Financial Times" veröffentlicht wurde. Zudem warf er den NATO-Verbündeten Deutschland und USA eine mangelnde Abstimmung mit Frankreich vor. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte, die Kritik an mangelnden Absprachen sei "nicht nachvollziehbar". Der Einsatz sei ohne Zweifel schwierig, es werde aber ein "enger Schulterschluss" angestrebt.

Kouchner forderte, die Einsatzstrategien anzugleichen. Das wäre "der Ausgangspunkt für eine europäische Position". Gegenwärtig mangele es daran. "In Europa handeln wir, wir kämpfen, wir ziehen in den Krieg - aber wir sprechen nicht miteinander", kritisierte Kouchner. "Das ist beschämend, denn unsere Soldaten sterben." Der Sprecher des französischen Außenministeriums, Bernard Valéro, dementierte auf Anfrage die Äußerungen Kouchners nicht, sagte aber, jeder Staat bestimme seine eigenen Einsatzregeln.

Über den afghanischen Staatschef Hamid Karsai sagte Kouchner: "Karsai ist korrupt, ok." Er fügte hinzu, die Korruption sei in Afghanistan weit verbreitet. Indessen sei Karsai "unser Mann". "Wir müssen ihn legitimieren." Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte vor Journalisten in Paris, Karsai sei der "gewählte Präsident". "Wir wollen mit ihm zusammenarbeiten", unterstrich Sarkozy. Er sehe keine Alternative zum Militäreinsatz am Hindukusch. Sonst würden die 27 Millionen Einwohner Afghanistans der "Barbarei der Taliban" überlassen.

Die Kritik an der mangelnden Kampfbereitschaft der deutschen Soldaten wies das Berliner Verteidigungsministerium zurück. "Es geht in Afghanistan um mehr als ums Kämpfen", sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur AFP. Für die Bundeswehr komme es darauf an, dass in dem Land der "vernetzte Ansatz" in Abstimmung mit der NATO umgesetzt werde. Dies umfasse neben der Herstellung der Sicherheit auch Aufgaben wie den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte oder die Regierungsführung in Afghanistan.

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