Unter internationalem Druck hat der afghanische Präsident Hamid Karsai für seine zweite Amtszeit eine bessere Regierungsführung versprochen. Beim ersten Auftritt nach seiner umstrittenen Ausrufung zum Wahlsieger kündigte Karsai an, die Korruption bekämpfen und das Land einen zu wollen. Der Westen um US-Präsident Barack Obama verlangte ein energisches Vorgehen gegen die Vetternwirtschaft in Afghanistan. Diesen Artikel weiter lesen
Einem Bericht der "New York Times" zufolge dringt die US-Regierung auf die Schaffung einer Anti-Korruptions-Kommission. Vor dem Gremium sollen die Regierung in Kabul und die Provinzregierungen demnach Rechenschaft ablegen müssen. Das Blatt schreibt unter Berufung auf Diplomaten, der Westen erwarte zudem die Festnahme einiger besonders bestechlicher Regierungsvertreter.
Der britische Premierminister Gordon Brown verlangte von Karsai, "unverzüglich" gegen den Filz vorzugehen. Karsai müsse nun eine "Einheitsregierung aus erfahrenen Ministern und Beamten" bilden und dabei auch seinen Rivalen Abdullah Abdullah einschließen, forderte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in London.
Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen mahnte "größere Forschritte" im Kampf gegen die Korruption an. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sicherte Karsai indes die "volle Rückendeckung Frankreichs" zu.
Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) in Afghanistan hatte Karsai am Montag zum Wahlsieger erklärt, nachdem Oppositionsführer Abdullah seine Beteiligung an der Stichwahl wegen befürchteter neuer Stimmfälschungen abgesagt hatte. Bereits der erste Wahlgang im August war von massiven Fälschungen überschattet worden, insbesondere zugunsten Karsais. Der Präsident sagte, es wäre "besser für unser Land und den Demokratieprozess" gewesen, wenn die zweite Runde der Präsidentschaftswahl wie geplant stattgefunden hätte.
Bei der Regierungsbildung will Karsai alle ethnischen und religiösen Gruppen des Landes berücksichtigen. Das Kabinett werde "das ganze afghanische Volk widerspiegeln", sagte der Präsident. Demonstrativ ging Karsai auch auf die radikalislamischen Taliban zu. "Wir rufen unsere Brüder der Taliban auf, nach Hause zurückzukehren und ihr Land anzunehmen", sagte er.
Die Taliban wiesen Karsais Gesprächsangebot umgehend zurück. Der Präsident sei eine "Marionette" und auch seine Regierung bestehe aus Marionetten, sagte der Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. Karsai habe nicht die Autorität, eine derartige Entscheidung zu treffen.




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