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UN-Tribunal in Den Haag setzt Prozess gegen Karadzic fort

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist auch am zweiten Tag seinem Prozess vor dem Haager UN-Kriegsverbrechertribunal ferngeblieben. Ankläger Alain Tieger nannte den 64-Jährigen den "Oberkommandierenden" der ethnischen Verfolgung in Bosnien. Unterdessen kehrte die ehemalige bosnisch-serbische Präsidentin Biljana Plavsic aus schwedischer Haft entlassen nach Belgrad zurück. Diesen Artikel weiter lesen

Karadzic sei sowohl der "Architekt" der Politik als auch der Anführer der Kräfte gewesen, die die "dauerhafte Entfernung" von bosnischen Muslime und bosnischen Kroaten aus dem von Serben beanspruchten Bosnien-Herzegowina umsetzten, sagte Tieger in Den Haag. Dabei habe er "Recht und Menschlichkeit" missachtet.

Karadzic nimmt an dem Prozess nicht teil, weil er mehr Vorbereitungszeit für seine Verteidigung fordert. Richter O-Gon Kwon aus Südkorea hatte Karadzic am Montag bei anhaltendem Widerstand mit Zwangsmaßnahmen gedroht. Bei der nächsten Sitzung am kommenden Montag soll die Verlesung der Anklageschrift beendet werden. Danach soll entschieden werden, wie bei einem weiteren Fernbleiben Karadzics verfahren wird. Falls das Gericht dem Angeklagten einen Pflichtverteidiger zuweist, der sich dann erst einarbeiten muss, würde sich das Verfahren weiter verschieben.

Karadzic muss sich wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Die Anklageschrift gegen Karadzic umfasst elf Punkte. Im Mittelpunkt steht das Massaker von Srebrenica, bei dem rund 8000 muslimische Jungen und Männer getötet wurden. Die Klagen beziehen sich auch auf die mehrjährige Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, während der rund 10.000 Menschen ums Leben kamen. Karadzic war im Juli 2008 nach einem 13 Jahre langen Versteckspiel in Belgrad gefasst worden.

Die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilte Plavsic sagte nach ihrer Ankunft in Belgrad: "Ich bin glücklich, nach neun Jahren frei zu sein." Plavsic war im Februar 2003 vom Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ihre Freilassung nach zwei Dritteln der Haftzeit wegen "guter Führung" entspricht den Bestimmungen des schwedischen Strafrechts.

Plavsic hatte sich im Januar 2001 freiwillig dem Tribunal gestellt und sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg (1992-95) schuldig bekannt, in dessen Verlauf 100.000 Menschen getötet wurden. Plavsic hatte 1996 den untergetauchten Karadzic an der Spitze der Republika Srpska abgelöst.

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