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Große Bernsteinkunst-Schau in Neuenstadt am Kocher

Neuenstadt am Kocher (ddp-bwb). Die Tränen der Götter - wie Bernstein auch genannt wird - haben fast alle Farben: von Weiß über Gelb, Blau und Grün, bis hin zu Schwarz. Das fasziniert den polnischen Künstler Lucjan Myrta besonders. Er verbindet den Bernstein mit Farbtupfern einer Malerpalette und schafft daraus einmalige Kopien von Bildern großer Meister wie Monet. «Ich habe meine Passion gefunden, mit Bernstein zu malen», sagt der Künstler. Das Museum im Schafstall im hohenlohischen Neuenstadt am Kocher widmet Myrta unter dem Titel «Bernstein - die Tränen der Götter» seit Sonntag bis 25. April 2010 eine Werkschau. Diesen Artikel weiter lesen

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Es ist für den studierten Wasserbautechniker eine Rückkehr, denn 2004 organisierte Museumsleiter Hubert Sawatzki - wie Myrta in Danzig geboren - schon einmal eine ähnliche Ausstellung, die 30 000 Besucher in knapp drei Monaten anzog. Die Jetzige übertrifft die Erste nach seinen Angaben allerdings bei weitem. «Das ist die größte Bernsteinsammlung der Welt und sie wird in dem Umfang erstmals außerhalb Polens gezeigt», sagt der Historiker Sawatzki.

Üblicherweise seien die Exponate im Bernsteinmuseum in Danzig oder den königlichen Schlössern in Warschau und Krakau zu sehen, viele auch in Privatbesitz. Dass so eine Ausstellung ausgerechnet in der Provinz gezeigt werde, sei «Zufall», sagt der 63-jährige Myrta, Sohn eines oberschlesischen Bergmannes. Er habe Sawatzki kennengelernt und beide verbinde die Passion zum Bernstein. Zudem hab er volles Vertrauen in ein Projekt, auf das selbst seine Heimatstadt Danzig neidisch sein müsse.

In der Form wie in dem ehemaligen Schafstall im 5000 Einwohner großen Ort wurde das Prunkstück der Schau, eine Kopie der Schatztruhe von Königin Marie Antoinette in Versailles, noch nie präsentiert. Denn dank der offenen Architektur können die Besucher auch einen Blick auf die Oberseite werfen, welche verziert ist mit bunten Schmetterlingen, zusammengesetzt aus farbigen Bernsteinstücken. Der sechsstufige Aufbau wirkt sehr leicht und wiegt doch 823 Kilogramm. «Das ist viel mehr, als es das legendäre Bernsteinzimmer je hatte», sagt Sawatzki. Es ist auch Myrtas Lieblingsstück, für das er 30 Jahre Bernstein gesammelt hat. Zwölf Jahre arbeitete er an dem mehrere Kubikmeter umfassenden Stück. Dabei gingen sieben Tonnen Bernstein durch seine Hände.

Das Material inspiriert ihn immer wieder: «Wenn ich ein farbiges Stück bekomme, entstehen oft die Ideen», berichtet er. Ergebnis sind die zahlreichen Schatullen, Leuchter, Spiegel und auch Bilder, die das Naturmaterial in allen Schattierungen zeigen. «Das ist wie ein farbiges Puzzle», sagt Sawatzki und zeigt auf die Kopie eines Bildes von Monet, das die kleine Brücke im Park von Oliwa zeigt.

Ergänzt wird die Kunstausstellung von einer archäologischen Schau, in der etwa Tausende von Bernsteintropfen oder riesige Brocken gezeigt werden. Insgesamt sind im Museum im Schafstall weit über 2,5 Tonnen des aus Baumharz entstandenen Gesteins zu sehen.

Er habe sieben Jahre gebraucht, Myrta zu überzeugen, diese Ausstellung in Neuenstadt am Kocher zu machen, berichtet Sawatzki. Eine solche Schau sechs Monate lang dort zu zeigen, bezeichnet er als «Kraftakt». Nicht zuletzt, was die zu erwartende Zahl von Besuchern angeht: «Ich schätze, die 50 000 knacken wird diesmal.»

Nach Ende der Schau werden die Stücke wohl nicht den Weg zurück nach Polen antreten. «Das kunsthistorische Museum in Wien will dann die Ausstellung», verrät Sawatzki.

(ddp)

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