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Knigge-Kurs für Kinder

Frankfurt (ddp-hes). Die Sozialpädagogin Alicia Gonzalez zieht sich die Kappe eines Kindes auf und fragt die Jungen und Mädchen: «Warum ist es unhöflich, in einem Raum eine Kappe zu tragen?» Gleich schallen ihr die Antworten der sechs Kinder in der historischen Villa Metzler in Frankfurt entgegen: «Der Lehrer hat gesagt, das darf man nicht.» Und: «Man sieht ihr Gesicht nicht.» Es herrscht eine fröhliche Stimmung bei dem zweistündigen Benimmkurs «Suppenkasper & Co». Diesen Artikel weiter lesen

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Die meisten Kinder, die im Alter von sieben bis zwölf Jahren sind, wurden von ihren Eltern hergeschickt. Der 12-jährige Philipp guckt zu Beginn der Veranstaltung noch gelangweilt durch die Gegend. Den Workshop macht er nur seinem Opa zuliebe mit. «Wenn ich bei ihm bin, schimpft er immer, dass ich falsch esse». Zwei jüngere Kinder wurden von ihren Eltern hergeschickt, «um richtig essen zu lernen».

Zuerst erklärt Gonzalez den Kindern, warum am Tisch die Jacke ausgezogen wird und mit welchen Getränken man anstößt oder es besser sein lässt. Anschließend fragt Gonzalez, wer sich zutraut, seinen Platz einzudecken. Philipp nimmt sich erst einmal das Einfachste: Messer und Gabel. Das sei ja klar, wo die beiden hingehören. Aber die Fragen, wohin der Suppenlöffel und das Dessertbesteck kommen, lassen ihn rätseln.

Eine weitere Herausforderung ist der kleine Brotteller. «Ist das vielleicht ein Salatteller?» Auch bei der Sitzhaltung gibt die Leiterin Tipps: «Ihr müsst euch vorstellen, dass vorn auf eurem Schoß eine mittelgroße Katze sitzt und hinter euch eine kleine Maus.» Sofort drücken die Kinder ihren Rücken durch, um möglichst grade zu sitzen.

Gonzalez leitet seit sieben Jahren Benimm-Workshops. Dabei will sie den Kindern nicht elitäre Tischmanieren aufzwingen, sondern ihnen die Grundlagen des guten Benehmens beibringen. Den Kindern erklärt sie, dass gute Manieren wie «Verkehrsregeln» sind, diese müssten eingehalten werden, «um Unfälle zu vermeiden».

Ein Kind, das nicht weiß, dass man dem Nachfolgenden die Tür aufhält, kann schnell als schlecht erzogen gelten. Sie glaubt, dass viele Eltern aus Unkenntnis ihrem Nachwuchs nicht mehr gutes Benehmen beibringen können. Außerdem seien viele Eltern, vor allem Alleinerziehende, mit der Kindererziehung eh zeitlich überfordert.

Die Experten sehen Benimmkurse eher kritisch. Für Helmut Deckert vom Verband Bildung und Erziehung ist die langjährige Gewöhnung an gutes Benehmen hilfreicher als ein einmaliger Workshop. Die Eltern könnten nicht erwarten, dass ihr Nachwuchs nach einer solchen Veranstaltung gut erzogen sei. Wenn die Kinder dann wieder in ihr altes Umfeld zurückkämen, vergäßen sie die gelernten Tischmanieren sehr schnell. Auch Barbara Dietz-Becker von der Bildungsgewerkschaft findet «Knigge-Kurse» für Kinder eher zweifelhaft. Eltern, die sich in «wirtschaftlicher Not» befinden, könnten sich den 49 Euro teuren Workshop zudem nicht leisten.

Bei dem Benimmkurs wird derweil der erste Gang serviert: Eine Rinderkraftbrühe mit einer großen Maultasche. «Ich war extra ein bisschen fies und hab die Maultasche nicht zerkleinern lassen. In einem Restaurant würde euch das nicht passieren», sagt die Leiterin. «Das ist ganz schön schwer», findet der achtjährige Noel, als er konzentriert seine Maultasche zerkleinert. Der zweite Gang wird durch einen Beilagensalat ergänzt. Auch hier ist eine Schwierigkeit eingebaut: Die Salatblätter sind besonders groß, dürfen aber trotzdem nur mit der Gabel gegessen werden.

Die Kinder befolgen mit Begeisterung die Ratschläge von Gonzalez. Aber dass vor dem Trinken der Mund abgewischt wird, um Essenreste am Becher zu vermeiden, vergessen die meisten. Nachdem die Leiterin ihr Glas mit dem eines Kindes verglichen hat, wischt Philipp heimlich den Rand seines Bechers mit der Serviette sauber. Die Reaktion der Kinder ist durchweg positiv, auch Philipp gibt zu, dass er riesigen Spaß hatte. Alleine wegen des Essens würden sie alle wiederkommen.

(ddp)

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