Ludwigshafen (ddp-rps). Die Botschaft des Tages lautet: «Gott ist das Licht der Himmel und der Erde». In großen Buchstaben hat der Lehrer Nazar Gara die Worte auf die Tafel im Klassenzimmer 229 geschrieben. Während 22 Fünftklässler das Zitat abschreiben, referiert der 46 Jahre alte Islamwissenschaftler weiter. Er sagt den Schülern, dass Gott auf Arabisch Allah heißt. Und um Allah geht es hier: Die Kinder besuchen den islamischen Religionsunterricht (IRU) in der Ludwigshafener Kopernikus-Realschule in Ludwigshafen. Diesen Artikel weiter lesen
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Für die muslimischen Schüler der fünften und der sechsten Klasse ist der Islam-Unterricht dort ein Pflichtfach, so wie für die anderen Ethik oder katholische und evangelische Religion. Bislang gab es solche Angebote nur an manchen Grundschulen in Rheinland-Pfalz. Zum ersten Mal können die Kinder seit Anfang des Schuljahres IRU auch an neun weiterführenden Schulen im Land besuchen.
Die Kopernikus-Realschule ist eine der insgesamt neun weiterführenden Schulen, in denen nun Lehrer wie Nazar Gara arbeiten. Der Palästinenser lebt seit 18 Jahren in Deutschland und hat in Heidelberg Islamwissenschaft und Philosophie studiert. «Mein Ziel ist es, den Kindern die grundlegenden Begriffe des Islam zu erklären», sagt er. Dies sei nicht immer eine einfache Aufgabe, da die Kinder über ziemlich unterschiedliche Vorkenntnisse verfügten. Die meisten Schüler, die IRU in der fünften Klasse belegen, sind junge Türken. Auch ein Araber und ein Albaner sind dabei. Insgesamt werden an der Schule 60 Schüler der fünften und sechsten Klasse für je zwei Wochenstunden unterrichtet.
Da die Anforderungen an die Lehrkräfte in den weiterführenden Schulen steigen, absolviert Gara zurzeit eine pädagogische Ausbildung, die es ihm ermöglicht, künftig mehr als jeweils vier Stunden pro Woche zu unterrichten. «Es ist wichtig für die Kinder, dass sie ihre Religion besser kennenlernen, ihre Identität bewahren und sich gleichzeitig in der deutschen Gesellschaft integrieren», sagt er. Deswegen sei es auch gut, dass der Unterricht auf Deutsch stattfinde.
Dass der Unterricht auf Deutsch gehalten wird, ist auch eine wesentliche Anforderung von der Landesregierung. Die Stunden müssen außerdem auf Basis eines vom Land genehmigten Rahmenplans erfolgen. Erarbeitet wurde der Lehrplan unter der Ägide des Bildungsministeriums von einer Kommission, die aus muslimischen und nicht-muslimischen Lehrern sowie Islamwissenschaftlern besteht.
Stefan Spindler, der Konrektor der Realschule, sagt, die ersten Erfahrungen mit dem Schulfach IRU seien gut. Grundsätzlich sei es sinnvoll, den Kindern diese Möglichkeit anzubieten: «Bislang mussten Muslime den Ethikunterricht besuchen, was sicher keine optimale Lösung war.»
Immerhin, sagt Spindler, seien mehr als 200 der insgesamt knapp 500 Schüler Muslime. In anderen Schulen der Stadt sei der Anteil noch höher. «Eine so große Religionsgemeinschaft können wir nicht vom staatlichen Religionsunterricht ausschließen», betont er. Zudem sei es besser, wenn die Kinder den Schulunterricht besuchten und von Fachleuten betreut würden. «Auf diese Weise haben wir für alle beteiligten Seiten eine Transparenz.»
Bei den Schülern und deren Eltern kommt das neue Fach offensichtlich gut an: Die Schüler, die jetzt den islamischen Religionsunterricht besuchen, mussten der hohen Nachfrage wegen ausgelost werden. Insgesamt hätten sich 54 Kinder allein aus der fünften Klasse beworben, doch es gebe bislang einfach nicht genügend Lehrer, die das Fach unterrichten könnten. Daher sei fraglich, wie es von der siebten Klasse an mit dem Islam-Unterricht weitergehe, sagt Spindler.
Aus dem Bildungsministerium heißt es, die Laufzeit des Modellprojekts sei zwar noch nicht definitiv festgelegt, doch voraussichtlich gebe es auch im kommenden Jahr Lehrer dafür: «Wir sind zuversichtlich, dass wir das stemmen können», sagt Ministeriumssprecher Wolf-Jürgen Karle. Er weist darauf hin, dass der qualifizierte Lehrernachwuchs unter anderem durch eine Vereinbarung mit der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe über eine berufsbegleitende Weiterbildung in Islamkunde und islamischer Religionspädagogik gesichert werde. An der Ausbildung beteiligt sich auch das Land Rheinland-Pfalz. Außerdem wolle man dem knappen Dutzend Lehrern, das aktuell IRU unterrichtet, Verlängerungen der jeweiligen Deputate anbieten.
(ddp)




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