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Zweifel an Einigung auf Klimaabkommen in Kopenhagen

Berlin (ddp). Gut einen Monat vor Beginn der Weltklimakonferenz in Kopenhagen sinken die Chancen für eine verbindliche Einigung auf ein neues Klimaabkommen. Konkrete Abkommen müssten vermutlich nach dem Treffen ausformuliert werden, sagte der Leiter der EU-Generaldirektion Umwelt bei der EU-Kommission, Karl Falkenberg. Der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, hatte bereits am Donnerstag festgestellt, ein globales Abkommen zum Schutz des Klimas werde ein weiteres Jahr brauchen. Diesen Artikel weiter lesen

Etwas zuversichtlicher äußerte sich de Boer am Freitag nach Ende des Vorbereitungstreffens in Barcelona. Kopenhagen könne und müsse der Wendepunkt im internationalen Kampf gegen den Klimawandel werden, sagte er. Voraussetzung für ein Abkommen seien mittelfristige Reduktionsziele der Industrieländer und Finanzzusagen an die Entwicklungsländer. Er räumte ein, dass es ohne diese beiden Punkte keine Einigung geben werde.

Vor zwei Jahren hatten die Teilnehmer des Weltklimagipfels in Bali beschlossen, die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll in Kopenhagen abzuschließen. Dessen Verpflichtungsperiode läuft Ende 2012 aus. In Barcelona trafen sich von Montag bis Freitag 4500 Teilnehmer aus 181 Staaten zur Vorbereitung des Kopenhagener Gipfels. Überschattet wurde die Zusammenkunft vom zeitweiligen Boykott der Verhandlungen durch afrikanische Staaten und die Entscheidung des amerikanischen Senats, das US-Klimagesetz erst im kommenden Jahr zu verabschieden.

EU-Diplomat Falkenberg sagte, das Treffen in Barcelona sei ebenso entmutigend verlaufen wie das vorherige in Bangkok. Aber er beobachte, dass die Staats- und Regierungschefs jetzt mehr Druck produzierten. Falkenberg zeigte sich zumindest optimistisch, dass es in Kopenhagen Zusagen der Staats- und Regierungschefs zu Reduktionszielen geben werde. Er erwarte auch ein Finanzpaket, Technologietransfer sowie Anpassungsmaßnahmen beim Klimaschutz für die schwächeren Entwicklungsländer.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) bezeichnete die Ergebnisse des Treffens in Barcelona als unzureichend. «Barcelona hat den Druck auf die Verhandelnden zwar erhöht und die Dringlichkeit von mehr Klimaschutz wieder in den Fokus der Politik gerückt. Aber das Gesamtergebnis ist leider äußerst dünn», kritisierte BUND-Chef Hubert Weiger. Die bisher vorliegenden Zusagen der Industriestaaten genügten nicht, um das angestrebte Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius zu erreichen.

Greenpeace äußerte deutliche Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Umweltschutzorganisation analysierte das Engagement von 12 Staatschefs, denen eine Schlüsselrolle auf der Klimakonferenz zukommt. Merkel habe bei der Bewertung nicht einmal die Hälfte der zu erreichenden Punkte erzielt, teilte Greenpeace mit. «Die selbst ernannte Klimakanzlerin legt keine konkreten Finanzierungszusagen für internationale Klimaschutzprojekte vor und hat im Gegensatz anderer Regierungschefs nicht erklärt, nach Kopenhagen fahren zu wollen», bemängelte Karsten Smid, Klima-Experte von Greenpeace.

Unterdessen teilte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans mit, dass sich die Kanzlerin den Termin freigehalten habe, aber noch keine abschließende Entscheidung darüber getroffen habe, ob sie nach Kopenhagen fahren werde. 1997 war Merkel als Bundesumweltministerin an der Ausarbeitung des Kyoto-Protokolls beteiligt.

(ddp)

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