Freising (ddp-bay). Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, hat das Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte scharf kritisiert. «Das Urteil geht von einem Religionsverständnis aus, das ich nicht teile», sagte Marx am Donnerstag am Rande der Herbstvollversammlung der bayerischen Bischöfe in Freising. Es sei eine «merkwürdige Vorstellung von Staat und Gesellschaft, die sich hier offenbart». Diesen Artikel weiter lesen
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Das Gericht hatte am Dienstag in Straßburg entschieden, dass das obligatorische Anbringen von Kreuzen in staatlichen Schulen gegen die europäische Menschenrechtskonvention verstößt. Geklagt hatte eine Italienerin, deren Kinder eine staatliche Schule besuchten, in der alle Klassenzimmer ein Kreuz an der Wand hatten. Der Gerichtshof stellte in dem Verfahren gegen Italien nun eine Verletzung des Rechts der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder und einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit der Kinder fest.
Marx kritisierte, von dem Urteil gehe ein «falsches Signal» aus. Religiöse Bindungen seien «wichtig für das Gemeinwesen». Anstelle eines Staates, der «jede Weltanschauung marginalisiert und ins Private abschiebt», brauche es Menschen, die sich öffentlich zu ihrem Glauben bekennen. Der Erzbischof begrüßte zugleich die öffentliche Diskussion über das Urteil. Er äußerte die Hoffnung, dass die italienische Regierung den Richterspruch «nicht einfach hinnimmt».
(ddp)




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