Freising (ddp-bay). Mit einer Solidaritätsbekundung für die Landwirte ist die Herbstvollversammlung der bayerischen Bischöfe in Freising am Donnerstag zu Ende gegangen. In einer Erklärung forderten sie eine gesicherte Existenzgrundlage für die Landwirte. Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, der den Vorsitz bei dem zweitägigen Treffen der sieben bayerischen Bistümer und der Diözese Speyer führte, appellierte aber auch an die Verbraucher, angemessene Preise zu bezahlen. Diesen Artikel weiter lesen
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«Die katholische Kirche steht aufseiten der Bauern, die um ihre Zukunft ringen», sagte Marx. Die bäuerliche Landwirtschaft habe neben der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln auch eine «tragende kulturelle und soziale Funktion». Sie bringe damit der gesamten Gesellschaft Nutzen. Das Einkommen der Landwirte dürfe sich deshalb «nicht nur nach Erzeugerpreisen bemessen».
Marx fügte hinzu: «Wir können als Kirche nicht an den existenziellen Zukunftssorgen einfach vorübergehen.» Die Verbraucher ermutige er, dass «regionale, tiergerechte und ökologische Erzeugnisse finanziell etwas wert» seien. Marx sagte, die Kirche wolle die Sorgen der Bauern «hörbar machen». Zwar könne die Kirche die politischen Entscheidungen nicht beeinflussen, «aber ab und zu hilft auch ein Appell». Er sei zuversichtlich, dass das Thema einen «breiten Resonanzboden» finde.
Bei einem Kabinettsgespräch habe er zudem gespürt, dass Kirche und Politik für die Anliegen der Landwirte «gemeinsam Sorge tragen». An der von dem Kabinett auf den Weg gebrachten «Zukunftskommission Landwirtschaft» sei deshalb auch ein Kirchenvertreter beteiligt. Bauern- und Milchbauernverband hätten bereits «signalisiert, dass sie den Vorstoß der Kirche begrüßen».
Kritisch bewerten die Bischöfe die Auswirkungen der Schulreform. Die katholische Kirche sehe «mit Sorge», dass durch die Einführung eines ganztägigen Schulunterrichts für die Angebote ihrer Jugendarbeit wie Chöre, Ministranten oder Jugendverbände «immer weniger Zeit» bleibe.
«So toll finde ich das nicht, wenn Elfjährige eine neunte Stunde haben», kritisierte Marx. Die Kirche lote nun aus, inwieweit sie sich «mit ihren Möglichkeiten in die Gestaltung der Nachmittage in den Ganztagsschulen einbringen» könne. Wie das konkret aussehen soll, konnte Marx noch nicht sagen. Denkbar seien aber beispielsweise Angebote wie ein Selbstfindungskurs für Jugendliche an Schulen.
Zudem gaben die Bischöfe eine Personalie bekannt: Prälat Lorenz Wolf bekleidet künftig neben seiner Aufgabe als oberster Jurist der Diözese München/Freising auch den Posten des Leiters des Katholischen Büros in Bayern. Der promovierte Jurist werde diese Funktion Anfang des kommenden Jahres übernehmen, kündigte Marx an. Wolf sei «einer der besten Kenner des Verhältnisses von Kirche und Staat in Bayern». Zudem verfüge er über viele Kontakte und Verhandlungsgeschick.
Das Katholische Büro Bayern wurde 1993 in München eingerichtet. Es hat die Funktion einer Kontaktstelle zur Bayerischen Staatsregierung, zum Landtag, den kommunalen Spitzenverbänden, den Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften, den Repräsentanten der Gerichtsbarkeit, zu überregionalen Landesbehörden und Körperschaften sowie zu Verbänden und zu Organen der öffentlichen Meinungsbildung.
Zu den Gerüchten, der Regensburger Bischof Ludwig Müller solle in den Vatikan wechseln, sagte Marx, diese entbehrten «jeglichen Fundaments». Dies habe Müller selbst noch einmal klargestellt.
(ddp)




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