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Die Mauer ist nur noch aus Styropor

Berlin/Waltersdorf (ddp-bln). Ein Sturm wäre das Schlimmste, was den Initiatoren der Domino-Aktion zum 20. Jubiläum des Mauerfalls am 9. November in Berlin passieren könnte. «Nach unseren Berechnungen bleiben die Steine bis zur Windstärke 6 stabil. Danach dürfte es kritisch werden, sagt Ulrike Bretschneider von der Brandenburger Firma i-point. Der Kulissenbauer aus Waltersdorf hat die 1000 Steine hergestellt, die am Montagabend auf einer Strecke von 1,5 Kilometern, auf der früher die Mauer stand, symbolisch zu Fall gebracht werden sollen. »Mehr Luftbewegungen würden die Styropor-Klötze nicht vertragen und dann von alleine umkippen«, sagt Bretschneider. Diesen Artikel weiter lesen

Die Mauer aus den zweieinhalb Meter hohen Blöcken soll ab Freitag zwischen Reichstag, Brandenburger Tor und Potsdamer Platz entstehen und erneut Ost und West trennen. Am Montag wird die Mauer dann bei einem »Fest der Freiheit« im Beisein nahezu aller Regierungschefs der Europäischen Union zum Einsturz gebracht. Auslösen wird die Kettenreaktion der polnische Ex-Gewerkschaftsführer Lech Walesa. Das Spektakel beginnt um 19.00 Uhr mit einem Open-Air-Konzert der Staatskapelle Berlin und dem Staatsopernchor.

Ganz besonders gespannt auf das Gelingen der Domino-Aktion dürften deutschlandweit mehrere Tausend Jugendliche sein. Denn den Großteil der Steine haben rund 15 000 Schüler und Auszubildende aus dem gesamten Bundesgebiet in den vergangenen Monaten beklebt und bemalt. Allein in Berlin waren 500 Schulklassen damit beschäftigt, die Steine mit Motiven rund um den Mauerfall und der SED-Diktatur im Osten Deutschland zu gestalten.

»Gerade die Generation, die den Mauerfall nicht bewusst miterlebt hat, sollte sich durch die Dominoaktion mit den Ereignissen von 1989 auseinandersetzen«, sagt Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin GmbH und Organisator des »Festes der Freiheit«. Vorrangiges Ziel sei es gewesen, der heutigen Jugend die Dramatik des Eisernen Vorhangs zu verdeutlichen. »In den Köpfen existiert im Zusammenhang mit dem Mauerfall häufig das Bild jubelnder Menschen. Das hat aber nichts mit dem grausamen Alltag an der Mauer zu tun«, führt van Dülmen an. Angetan von dieser Idee war auch das Goethe-Institut. Parallel schickten die Kulturrepräsentanten seit Beginn des Jahres 30 Steine auf eine »Mauerreise« um die Welt. So gingen Styroporklötze unter anderem in den Jemen, nach Zypern, China und die Palästinensergebiete. »Es wurden Orte ausgewählt, an denen heute noch eine Mauer steht, entweder aus Steinen oder gesellschaftlicher Art", sagt van Dülmen. Zugleich verewigten sich berühmte Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie der südafrikanische Freiheitskämpfer Nelson Mandela auf den Steinen. Der heute 91-jährige bemalte einen Klotz gemeinsam mit seinen Enkelkindern.

Unter den Exemplaren, die für den 9. November am Brandenburger Tor aufgebaut wurden, finden sich auch künstlerisch anspruchsvolle Exemplare. So verzierte der chinesische Pop-Art-Künstler Wang Guangyi seinen Styroporstein mit Propagandamotiven der maoistischen Kulturrevolution.

Nach dem Fall der Domino-Mauer am 9. November wird ein Teil der Steine ins Haus der Geschichte der BRD in Bonn sowie ins Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig gebracht werden. Anders als die Originalmauer, die binnen weniger Jahre von Mauerspechten zu Souvenirs klein gehämmert wurde, sollen sie dort für Jahrzehnte erhalten bleiben.

(ddp)

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