Marbach am Neckar (ddp-bwb). Pantheonartig thront das Schiller-Nationalmuseum in Marbach hoch über dem Neckar. Als ein Heiligtum kann der 1903 errichtete Bau auch verstanden werden. Ein Heiligtum, das Dichterfürsten geweiht ist, insbesondere denen schwäbischer Herkunft. Mit Millionenaufwand wurde nach vollendeter Außenrenovierung nun auch das Innere des Gebäudes saniert. Hülle und Hauptsaal glänzen wieder wie einst, doch in der neuen Dauerausstellung herrscht moderner Purismus vor. «Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut», sagt der Direktor des Deutschen Literaturarchivs, Ulrich Raulff. Zusammen mit dem Nationalmuseum und dem Literaturmuseum der Moderne (LiMo) bildet es eine Einheit. Bei Buchstaben sei «jede Ablenkung zu viel», betont Raulff. Diesen Artikel weiter lesen
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Die Wiedereröffnung des Schiller-Nationalmuseums mit Bundespräsident Horst Köhler am Dienstag, dem 250. Geburtstag von Friedrich Schiller, bildet den Höhepunkt des Schiller-Jahres 2009. Zugleich endet damit eine fast zehnjährige Bauphase auf der Marbacher Schillerhöhe, die Mitarbeitern und Besuchern einiges an Geduld abverlangte.
Nach der LiMo-Eröffnung 2006 stehen nun zwei mit moderner Technik ausgestattete Museen für das geschriebene Wort zur Verfügung, in denen das Archiv seine Schätze der Öffentlichkeit präsentieren kann. Die Kosten für die fast zweijährige Innensanierung des Nationalmuseums beziffert Raulff auf mehr als 6,2 Millionen Euro. 3,9 Millionen Euro haben Bund und Land beigesteuert, hinzu kommen über 2,3 Millionen Euro Spenden.
Auf 450 Quadratmetern widmet sich das Schiller-Nationalmuseum der deutschen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts. Wer mit Multimedia und Installationen rechnet, liegt falsch. Inszenierungen werden bewusst vermieden, das museale Nischenprodukt Literatur wird pur in schlichten Glasvitrinen ausgestellt. «Da sind wir sehr vorsichtig», sagt Raulff.
Nur bei der Wandgestaltung wurde in den kühlen und dunklen Ausstellungsräumen an Stilelemente vergangener Zeiten angeknüpft. So sollen grüne und blaue Töne Assoziationen an das Goethehaus in Weimar und den Jugendstil wecken. Im Foyer und Schillersaal, der anders als in der alten Dauerausstellung leer bleibt, herrscht dagegen Weiß und Grau vor.
Untergebracht ist die Ausstellung in den beiden Seitenflügeln, mit denen die Nationalsozialisten den Kuppelbau 1934 erweitert hatten. Einer der Flügel ist ganz allein Schiller gewidmet. Nach einem Raum mit Schiller-Büsten und Schiller-Porträts machen seine ersten erhaltenen Verse aus dem Jahr 1771 den Anfang. Als Elfjähriger hatte er sich damals mit einem kleinen Gedicht bei seinem Lehrer bedankt.
Doch nicht nur Entwürfe, Manuskripte und Briefe füllen die Vitrinen, sondern auch persönliche Gegenstände wie ein Zahnstocheretui, Schachfiguren und seidene Strümpfe. Auch ein Rezept des Arztes Schiller für ein - überdosiertes - Brechmittel blieb erhalten. «Drei Gran Brechweinstein zu lösen in vier Unzen heißem Wasser» heißt es auf dem Papier.
Der andere Flügel ist weiteren deutschen Dichtern des 18. und 19. Jahrhunderts gewidmet, wobei der Schwerpunkt auf schwäbischen Dichtern wie Mörike, Hölderlin oder Kerner liegt. Aber auch Goethe, Kleist und Kant sind vertreten. Die ausgestellten Werke sind programmatisch nach Motiven der damaligen Literatur unterteilt: Es geht um den Ursprung des Lebens, um die Entdeckung des Bösen, aber auch um «Liebe und Wahnsinn», ein Thema, zu dem etwa Fontanes erste Entwürfe zu den letzten Kapiteln von «Effi Briest» wie gemacht sind. «Die Ausstellung zeigt, wie Literatur verehrungswürdig wurde», sagt Museumsleiterin Heike Gfrereis. Und sie zeige auf, wie wichtig es sei, solche Objekte zu bewahren.
Die frühere Dauerausstellung war nicht nur konzeptionell veraltet. Notwendig wurde die Sanierung vor allem, weil das Museum nach häufigen Umbauten, Pilzbefall und mangels Klimatechnik nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprach. Wie bereits das LiMo trägt auch dieses Projekt die Handschrift des britischen Architekten David Chipperfield und seines deutschen Projektleiters Alexander Schwarz. Für Schwarz ist das Nationalmuseum nicht nur ein Pantheon, sondern auch ein «privates Wohnhaus» für Schiller - als Wiedergutmachung an den einst Vertriebenen.
(ddp)




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