Hannover (ddp-nrd). Das mögliche Absaufen der Schachtanlage Asse II durch den Zutritt von Laugen war Wissenschaftlern vor dem Beginn der Einlagerung von Atommüll in dem Salzstock bei Wolfenbüttel bekannt. Die Möglichkeit dieses «Störfalls» habe man in allen «Sicherheitsbetrachtungen» berücksichtigt und «nicht ausgeschlossen», sagte der ehemalige Verantwortliche für die Anlage, Klaus Kühn, am Donnerstag vor dem Asse-Untersuchungsausschuss in Hannover. Diesen Artikel weiter lesen
Der Salzstock Asse II gilt wegen unkontrollierten Laugenzutritts als akut einsturzgefährdet. Kühn sagte, der Zutritt von Laugen sei in der Forschung «von Anfang an» als «größter anzunehmender Unfall» in einem Salzstock-Endlager «definiert» gewesen. Dennoch habe man die Standfestigkeit des Asse-Schachts für einen «überschaubaren Zeitraum» von etwa 100 Jahren für «durchaus» gegeben gehalten. Deshalb sei dort 1967 mit der Einlagerung von schwach- und mittelradioaktivem Abfall begonnen worden.
Kühn war ab 1965 im Institut für Tiefenlagerung des ehemaligen Asse-Betreibers Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) mit dem Salzstock befasst. Damals sei die Asse aber bereits von der Bundesregierung gekauft gewesen, um sie als Forschungsbergwerk einzurichten, sagte Kühn. Er selbst habe 1967 den «ersten Bericht» über mögliche Gefahren durch den Eintritt von Laugen verfasst.
Der promovierte Ingenieur gab zu bedenken, dass er und seine Kollegen nach dem damaligen Stand der wissenschaftlichen Technik gehandelt hätten. «Von uns wird aber erwartet», damals nach dem Stand der Wissenschaft «von heute gehandelt zu haben», beklagte Kühn. Auch verwies der 71-Jährige darauf, dass die politischen und gesellschaftlichen «Rahmenbedingungen» in den 60er und 70er Jahren andere gewesen seien, was Kenntnis und Haltung zur Kernenergie und ihren Altlasten betreffe.
Der auch als «Endlagerpapst» bekannte Ingenieur leitete mehr als 20 Jahre lang das Institut für Tiefenlagerung der GSF. Kühn gilt als einer der weltweit profiliertesten Wissenschaftler für Fragen der Endlagerung von Atommüll. Vor dem Ausschuss sagte er, er sei auch heute noch aus «innerlichster» Haltung von den Vorteilen der Kernenergie überzeugt. Vorwürfe, er sei Atomlobbyist, wies Kühn zurück. «Nichts ist mehr gelogen als das», betonte er.
(ddp)




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