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Mutmaßlicher VZ-Erpresser war vorbestraft

Berlin (ddp-bln). Der mutmaßliche Erpresser des Online-Netzwerks SchülerVZ war offenbar wegen früherer Betrugshandlungen vorbestraft. Dies geht aus einer Sitzung des Rechtsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus am Mittwoch hervor. Wegen einer bestehenden Verurteilung habe Fluchtgefahr bestanden, weshalb der 20-Jährige in Untersuchungshaft gekommen sei, sagte Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD). Diesen Artikel weiter lesen

Der junge Mann hatte sich am vergangenen Samstag in seiner Zelle das Leben genommen. Er sei bei der Aufnahme in der Jugendstrafanstalt Plötzensee befragt und untersucht worden, es habe keine suizidalen Anzeichen gegeben. Der Mann habe während seiner Haft einen lockeren und aufgeschlossenen Eindruck gemacht. «Es ist ein furchtbares Ereignis, wenn sich ein junger Mensch das Leben nimmt», sagte von der Aue.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann aus Erlangen vorgeworfen, von den VZnet Netzwerken (SchülerVZ, StudiVZ, MeinVZ) eine Zahlung in Höhe von 80 000 Euro gefordert oder andernfalls die Veröffentlichung zuvor von ihm ausgespähter Nutzerdaten angedroht zu haben.

Sein Berliner Anwalt Ulrich Dost hatte den Anschuldigungen am Dienstag widersprochen. Es gebe Hinweise darauf, «dass eine Erpressung nicht versucht wurde». Seinem Mandanten soll durch Mitarbeiter des Unternehmens «ein unbeziffertes Zahlungsangebot gemacht worden sein». In einem solchen Fall hätte dem Anwalt zufolge Zahlungsbereitschaft des Unternehmens vorgelegen, «die folglich nicht mit einer Drohung erzwungen werden musste». Aus Sicht der Verteidigung stelle sich die Frage, ob das Unternehmen seinem Mandanten «ein Schweigegeld angeboten hat, um das Aufdecken von ´Sicherheitslücken´ der Plattform in der Öffentlichkeit verhindern zu können».

Die Netzwerke hatten diese Darstellung zurückgewiesen. Markus Berger-de León, CEO VZnet Netzwerke, teilte in Berlin mit, die Vorwürfe des Anwalts seien «ebenso unglaublich wie haltlos».

Vor rund zwei Wochen war bekanntgeworden, dass der SchülerVZ-Nutzer eine Vielzahl von Profilen aufgerufen und Kopien von Daten angelegt habe, darunter Name, Schule, Geschlecht, Alter, Profilfoto. Dem Internetblog netzpolitik.org wurden nach eigenen Angaben mehr als eine Million Datensätze zugespielt. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, mehr als 100 000 Datensätze aus dem Netzwerk netzpolitik.org erhalten zu haben, darunter auch sensible personenbezogene Daten von Teilnehmern, die ihre Daten in dem Netzwerk nur für Freunde sichtbar eingestellt hatten.

(ddp)

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