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Huber sieht die CSU in einer «Vertrauenskrise»

München (ddp-bay). Der frühere CSU-Chef Erwin Huber sieht seine Partei in einer «Vertrauenskrise». Der «Nimbus der CSU» sei «nachhaltig beschädigt», sagte Huber am Mittwoch. Bei der Bundestagswahl sei sehr deutlich geworden, dass es «viele Verwerfungen und politische Ursachen für den Absturz der CSU» gebe. Diesen Artikel weiter lesen

Auf die Frage, welche Verantwortung der jetzige Parteivorsitzende Horst Seehofer für diese Entwicklung trage, antwortete Huber: «Keiner kann sich von Mitverantwortung freisprechen.» Die Strategie im Bundestagswahlkampf sei «gewiss nicht immer hilfreich» gewesen. Allerdings wäre es falsch, «alles Horst Seehofer in die Schuhe zu schieben».

Seehofer sicherte eine tabulose Analyse des Debakels seiner Partei bei der Bundestagswahl zu. Der bayerische Ministerpräsident betonte mit Blick auf die Sitzung des CSU-Vorstands am 16. November: «Da werden wir nichts aussparen.» Er wolle bei den Beratungen deutlich machen, dass absolute Mehrheiten für die CSU nicht mehr selbstverständlich seien.

Seehofer fügte hinzu: «Wenn eine Partei 40 Jahre Erfolg hatte, sind solche Anpassungsprozesse sehr schwierig. Das führt sofort zu Reflexen und zur Frage, ob das Erreichen des 50-Prozent-Ziels nicht zum Grundverständnis der CSU gehören muss.» In der Gesellschaft habe sich jedoch ein tiefgreifender Wandel vollzogen.

Seehofer verwies zudem auf die stärkere Konkurrenz im bürgerlichen Lager durch FDP und Freie Wähler. Zu den Glaubwürdigkeitsproblemen der CSU sagte der Parteichef: «Vor allem die Vorgänge um die Bayerische Landesbank haben das Vertrauen der Wähler massiv beeinträchtigt. Wenn eine Regierung zehn Milliarden Euro einsetzen muss, um die Bank zu retten, spricht dieser Tatbestand für sich.»

Der CSU-Chef ließ offen, ob er im Jahr 2011 erneut für den Parteivorsitz kandidiert. Er sagte: «Was morgen ist, weiß heute niemand. Darüber zu spekulieren ist gestohlene Lebenszeit.» Er sei «für zwei Jahre gewählt als Parteivorsitzender und noch vier Jahre als Ministerpräsident». Seehofer fügte hinzu: «Wie es weitergeht, werde ich überlegen, wenn die Zeit reif ist.»

Huber äußerte sich kritisch über den früheren Ministerpräsidenten und CSU-Chef Edmund Stoiber. Dieser habe zwar «Enormes geleistet». Leider hätten aber die Kanzlerkandidatur 2002 und der CSU-Sieg bei der Landtagswahl 2003 Stoiber «verändert». Huber monierte: «Es gab weniger Kommunikation, weniger Mannschaftsgeist, es gab mehr einsame Beschlüsse und deswegen Irritationen.»

Allerdings sei der Rest der damaligen CSU-Führung für diese Entwicklung mitverantwortlich gewesen: «Wir von der Parteispitze haben ihn wegen seiner Erfolge in diese absolute Machtposition hineinwachsen lassen. Stoiber wurde mächtiger als Franz Josef Strauß.» Huber fügte hinzu: «Wir haben alles Wichtige an ihn delegiert. Dies ist dann letztlich ein Teil unseres Verhängnisses geworden.»

(ddp)

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