Potsdam (ddp-lbg). Der Appell von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zur Versöhnung mit ehemaligen SED-Funktionären stößt auch bei Experten auf Kritik. Platzecks Äußerungen seien zu kurz gegriffen und dürften nicht zu einer Gleichsetzung zwischen NS-Tätern und der SED-Diktatur führen, sagte der Direktor des Potsdamer Zentrums für Zeithistorische Forschung, Martin Sabrow, am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Der Berliner Historiker Heinrich August Winkler sagte dem «Tagesspiegel» (Mittwochausgabe): «Platzeck liegt falsch.» Diesen Artikel weiter lesen
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Platzeck hatte in einem «Spiegel»-Essay eine überfällige Versöhnung mit früheren SED-Anhängern angemahnt. Dabei verwies er auf versöhnliche Gesten des früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher gegenüber Mitgliedern der Waffen-SS.
Sabrow sagte dazu, das Nazi-Regime sei sehr viel verbrecherischer als das SED-Regime gewesen. Zum anderen bedauerten Historiker an der Integration nach 1945 ihren schnellen Erfolg, «weil er mit so viel Schweigen verknüpft war». Deswegen lasse sich daraus keine Handlungsanleitung für die Gegenwart ableiten.
Sabrow verwies auf Versöhnungs- und Wahrheitskommissionen in anderen Ländern wie Südafrika, wo sowohl Wahrheit als auch Versöhnung zusammengebracht worden seien. In Deutschland habe es dagegen nach 1945 eine «Versöhnung ohne Wahrheit» gegeben und nach 1989 in Teilen der Aufarbeitung eher eine «Wahrheit ohne Versöhnung». Die Vergangenheit müsse zu einem beherrschbaren Teil der Gegenwart werden, sagte Sabrow und fügte hinzu: «Ich könnte mir eine bessere Integration auch von DDR-Eliten durchaus vorstellen, wenn dabei die historische Wahrheit nicht auf der Strecke bleibt.»
Winkler sagte, Platzecks Vergleich sei inkonsequent, wenn er nicht benenne, was beide Regime gemeinsam haben - ihren totalitären Charakter. Der «schonende Umgang» mit NS-Anhängern habe zudem zum Vertuschen politischer Belastungen geführt. Das dürfe heute nicht wiederholt werden. Platzeck hatte sich in seinem Essay nach Angaben des «Tagesspiegel» auf ein Zitat Winklers berufen: «Vergleichen heißt nicht gleichsetzen, sondern nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten fragen.»
(ddp)




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