Stralsund (ddp-nrd). Auf einer internationalen Fachtagung zum Meeresnaturschutz haben am Dienstag Wissenschaftler vor einem dramatischen Artensterben in Europas Meeren gewarnt. Inzwischen seien in den Gewässern etwa 80 Prozent der Fischbestände nicht mehr nachhaltig überlebensfähig, sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel. Ein verstärkter Schutz besonders sensibler Seegebiete sei deshalb dringend erforderlich. Diesen Artikel weiter lesen
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Zwar habe es in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Ausweisung von Natura 2000-Meeresschutzgebieten gegeben, sagte die Expertin. Doch müsse für diese Schutzzonen jetzt auch ein verbindliches Schutzmanagement durchgesetzt werden. Notwendig seien vor allem Verbote für die Gammel- und Grundschleppnetzfischerei. «Ich schließe auch nicht aus, dass besonders wertvolle Meeresgebiete künftig zumindest zu bestimmten Jahreszeiten für die Fischerei geschlossen werden müssten.» Erste Beispiele im Mittelmeer hätten gezeigt, dass solche Einschränkungen zu Erholung der Bestände führen könnten.
Trotz verstärkter Bemühungen fast aller Anrainerstaaten im Meeresschutz habe die Nutzungsintensität der Meere in den vergangenen Jahren enorm zugenommen, sagte der deutsche Meeresbiologe Henning von Nordheim. Neben der Schifffahrt und Fischerei führten der Bau von Offshore-Windparks, Strom- und Erdgasleitungen sowie die zunehmende Kiesgewinnung vom Meeresboden zu zusätzlichen Belastungen.
Während die Ostsee vor allem unter einer wieder gestiegenen Überdüngung und einer drastischen Zunahme des Schiffsverkehrs zu leiden habe, würden in der Nordsee wertvolle Habitate durch den ständigen Einsatz schwerer Bodenschleppnetztechnik und eine zunehmende Schadstoffbelastung zerstört. Im Mittelmeer gebe es zwar in den Zwölf-Seemeilen-Zonen der jeweiligen Länder erste erfolgreiche Schutzprojekte, sagte Nordheim. Doch würden in den internationalen Gewässern zwischenstaatliche Konflikte oft gemeinsame Meeresschutzvorhaben behindern.
Gewürdigt wurde das deutsche Engagement im Meeresschutz. So seien für die zehn Natura 2000-Meeresschutzgebiete in Deutschlands Ausschließlicher Wirtschaftszone (AWZ) Raumordnungspläne erstellt worden, die den Bau von Windparks verhinderten, sagte der Vertreter des Bundesumweltministeriums Rudolf Ley. Der neue Koalitionsvertrag der Bundesregierung sehe die Bekämpfung besonders destruktiver Fischereimethoden vor. In den nächsten Monaten würden zudem Gespräche mit Nutzungsinteressenten geführt, um bis 2013 verbindliche deutsche Schutzgebietsverordnungen zu erstellen.
An der viertägigen Konferenz im Stralsunder Ozeaneum nehmen mehr als 150 Meeresforscher aus 21 europäischen Ländern sowie aus Australien, Eritrea, Neuseeland, den Philippinen, den Seychellen, Tunesien und den USA teil. Redner verwiesen darauf, dass weltweit inzwischen rund 4000 marine Schutzgebiete eingerichtet worden seien. Das entspricht etwa 0,65 Prozent der gesamten Meeresfläche der Erde. Schätzungen zufolge sind gegenwärtig etwa eine Milliarde Menschen unmittelbar vom Fischfang abhängig.
(ddp)




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