Freiburg (ddp). Mit schwungvollen Pirouetten und waghalsigen Hebefiguren wirbeln Camilla und Matthias Clad durch die Halle. Die Geschwister nehmen ab 10. November in Freiburg an den Weltmeisterschaften im Rollkunstlaufen teil. Familie Clad aus dem Breisgau schickt gleich vier Teilnehmer ins Rennen. Diesen Artikel weiter lesen
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Ursprünglich war das Rollkunstlaufen das Sommertraining für die Eiskunstläufer. Als nach und nach immer mehr ganzjährig nutzbare Eishallen und auch die Rollsporthallen entstanden, entwickelte sich das Rollkunstlaufen zu einer eigenständigen Sportart. Die Athleten tragen dabei Rollschuhe mit vier Rollen und einem Stopper. Inzwischen gibt es aber auch eine Disziplin, bei der auf Inlineskates gefahren wird.
Familie Clad kam eher zufällig zu dem Sport. Über eine Freundin lernte die älteste Tochter den Rollkunstlauf kennen und begeisterte nach und nach ihre Geschwister. Schon mit drei Jahren fing Camilla Clad in einer Trainingsgruppe mit dem Rollschuhlaufen an. Inzwischen ist sie seit zehn Jahren aktiv und hat sich mit ihrem vier Jahre älteren Bruder Matthias auf den Paarlauf spezialisiert.
Neben Camilla und Matthias, die bei den Junioren starten, nehmen auch der 20-jährige Fabian und der 23-jährige Lars in der Disziplin Pflicht an der Weltmeisterschaft teil. Dabei fahren die Sportler auf dem Boden vorgezeichnete Kurven und Schleifen in bestimmten Kombinationen und Präsentationstechniken nach. «Es gibt nicht sonderlich viele Jungs, die Rollkunstlauf machen», sagt Fabian. Belächelt worden sei er trotzdem nie. Vier bis fünfmal pro Woche trainieren die Geschwister mit ihrem Trainer Michael Obrecht, der 1970 in Lincoln, 1971 in Barcelona, 1972 in Bremen und 1974 in La Coruna den Weltmeistertitel gewann.
Obrecht ist es laut dem Geschäftsführer der Freiburger Turnerschaft (FT) 1844, Walter Hasper, auch zu verdanken, dass der Rollsport im Breisgau so stark verankert ist. Hasper, dessen Verein die WM vom 10. bis 21. November ausrichtet, verweist darauf, dass Obrecht einer der ersten gewesen sei, der sich dem Rollkunstlauf verschrieben habe. Nach dem viermaligen WM-Gewinn engagierte die FT 1844 Obrecht als hauptamtlichen Trainer. Nicht zuletzt dank seiner Ideen und seines Engagements habe sich Freiburg zum Bundesstützpunkt und Landesleistungszentrum entwickelt, berichtet Hasper.
Auch Trainer Obrecht sagt, dass Rollkunstlauf in Freiburg «einen hohen Stellenwert» habe. Nicht zuletzt deshalb lassen sich die Organisatoren das Event, an dem 1000 Athleten aus 28 Nationen teilnehmen, auch einiges kosten. Knapp eine halbe Million Euro investieren sie in die Ausrichtung der Weltmeisterschaft. Am Finaltag (21. November) wird mit rund 3000 bis 3500 Zuschauern gerechnet. Die Wettbewerbe der Erwachsenen werden in der Neuen Messe ausgetragen, wo eigens für das Turnier ein spezieller Boden verlegt wird. Glücklicherweise fanden die Organisatoren eine Möglichkeit, diesen von einem italienischen Anbieter auszuleihen.
In der öffentlichen Wahrnehmung fristet der Rollkunstlauf das Dasein einer Randsportart - eine Bezeichnung, die Obrecht maßlos ärgert. «Das ist ein ganz hässliches Wort», schimpft er. Denn die Leistung eines Sportlers bemesse sich nicht danach, was er verdiene oder wie häufig er in den Medien sei. Mit einer größeren Aufmerksamkeit für den Rollsport rechnet er aber auch nach der WM nicht.
Für die Geschwister Clad ist die WM vor der Haustür in jedem Fall etwas Besonderes. Fabian ist sich nicht sicher, wie es sein wird, vor seinen Freunden und Bekannten zu laufen. Camilla hofft bei ihrer ersten Weltmeisterschaft im «allerbesten Fall» auf eine Bronzemedaille.
(ddp)




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