München (ddp-bay). Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) warnt vor einer Überregulierung der Finanzbranche als Reaktion auf die globale Finanzkrise. «Wir brauchen schärfere Regulierungen, aber zielgerichtet und mit Augenmaß», sagte Zeil am Dienstag beim 3. Bayerischen Finanzgipfel in München. Innovationen bei Finanzprodukten dürften «nicht ausgebremst werden», mahnte der FDP-Politiker. Diesen Artikel weiter lesen
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Der Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Gerke vom Präsidium des Bayerischen Finanz Zentrums beklagte, international habe es trotz der Krise kein Umdenken gegeben. «Wenn ich mir das internationale Geschäft anschaue, hat man die Lehren noch nicht so ganz gezogen.» Es würden noch immer viel zu risikoreiche Geschäfte getätigt.
Zeil schlug vor, das Geschäftsmodell der jeweiligen Finanzunternehmen zum zentralen Kriterium für den Umfang der Aufsicht zu machen. «Die Vielzahl der kleinen und mittleren Institute in Deutschland ist in ihren angestammten Regionen tätig und sichert die Kreditversorgung der mittelständischen Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Es kann nicht sein, dass diese Institute den Preis zahlen für das Fehlverhalten einzelner ´global player´», warnte Zeil. «Pauschale Verschärfungen im Aufsichtsrecht lehne ich daher ab.»
Bei der internationalen Neuregulierung der Finanzwirtschaft stehe man «vor wahren Herkulesaufgaben». Es gebe zwar eine große Bereitschaft zu umfassender Aufsicht. Ziel müsse es nun aber sein, «intelligentere Regulierung zu installieren und zwar schnell», sagte Zeil. Besonders wichtig sei dabei der Abbau des bisherigen Zuständigkeitswirrwarrs.
Aber auch in den Unternehmen selbst seien Risikomanagement und Risikocontrolling unzureichend gewesen. In diesem Zusammenhang kritisierte der Wirtschaftsminister auch die Arbeit der Rating-Agenturen. Den US-amerikanischen und britischen Agenturen müsse eine kontinentaleuropäische Agentur entgegen gestellt werden. Gerke regte an, die Bezahlung der Rating-Agenturen solle künftig vonseiten der Investoren erfolgen und nicht durch das zu bewertende Unternehmen selbst.
Der Finanzwissenschaftler Klaus Hopt vom Max-Planck-Institut Hamburg verwies darauf, dass es bei all den Maßnahmen der Aufsicht, der Regulierung und der Mentalitätsänderungen vor allem auf die Schaffung neuen Vertrauens bei der Bevölkerung ankomme. Denn dieses sei durch die Krise abhandengekommen.
(ddp)




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