Bonn (ddp-nrw). Der Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Uni-Klinikums Bonn, Martin Exner, erwartet eine «zweite Welle» an Infektionen mit der sogenannten Schweinegrippe. Aufgrund der kalten Jahreszeit und der Tatsache, dass sich viele Bürger bislang nicht gegen die Neue Grippe hätten impfen lassen, sei mit einer steigenden Zahl an Erkrankungen zu rechnen, sagte Exner am Montag in Bonn. In dem Klinikum war am Freitag erstmals ein Mensch an Schweinegrippe gestorben, der keine der bekannten Vorerkrankungen aufwies. Diesen Artikel weiter lesen
Bei der in Bonn verstorbenen Patientin handelt es sich um eine 48 Jahre alte Frau aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Derzeit sei noch unklar, ob die Frau möglicherweise auch eine bakterielle Erkrankung hatte, betonte Exner. Ob die Tote obduziert wird, hänge vom Einverständnis der Angehörigen ab, hieß es.
Die Frau war aus einem auswärtigen Krankenhaus zur intensivmedizinischen Weiterbehandlung in das Universitätsklinikum Bonn verlegt worden. Dort musste sie an der künstlichen Lunge (ECMO) angeschlossen werden, die derzeit nur in speziellen Zentren in Nordrhein-Westfalen verfügbar ist. Dennoch konnte der Zustand der Frau nicht stabilisiert werden.
Nach Angaben von Exner sei bei der anstehenden «zweiten Welle» der Schweinegrippe-Erkrankungen auch mit weiteren schweren Fällen zu rechnen. Bislang sei der Krankheitsverlauf in den meisten Fällen «milde» verlaufen.
Laut dem Robert Koch Institut gab es bis zum vergangenen Freitag in Nordrhein-Westfalen rund 7000 registrierte Fälle von Schweinegrippe. Damit liegt NRW nach Bayern bundesweit auf dem zweiten Platz.
Unterdessen sind am Montag in Nordrhein-Westfalen vier weitere Schulen wegen des Auftretens der Schweinegrippe geschlossen worden. In Bottrop waren drei Schulen - eine Grund- und eine Hauptschule sowie ein Gymnasium - betroffen. Nach Angaben eines Sprechers der Stadtverwaltung erkrankten in den Schulen insgesamt 25 Schüler an Grippe - bei mehreren der Erkrankten wurde Schweinegrippe bereits nachgewiesen. Der Unterricht soll zunächst bis kommenden Freitag ausfallen. Gibt es keine weiteren Ansteckungen, soll der Schulbetrieb am Montag kommender Woche wieder aufgenommen werden, wie es hieß.
Zudem wurde am Montag eine katholische Grundschule in Duisburg geschlossen - dort hatten sich Schüler einer vierten Klasse offenbar bei einer Klassenfahrt nach Westfalen angesteckt. Bei 22 Kindern der Schule wurde die Erkrankung mit der Neuen Grippe nachgewiesen, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Der Unterricht für diese Woche fällt dort ebenfalls aus.
Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Stefan Romberg, appellierte an die Bevölkerung, die eigene Impfentscheidung zu überprüfen. «Der Tod der vorher gesunden Frau aus dem Rhein-Sieg-Kreis hat viele nachdenklich gemacht, die zuvor eine Impfung aufgrund der relativ leichten Erkrankungsverläufe abgelehnt haben», sagte Romberg. Deshalb sollte jeder gemeinsam mit seinem Hausarzt Nutzen und Risiken einer solchen Impfung abwägen.
(ddp)




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