Gorleben (ddp-nrd). Der Defekt am Überwachungssystem eines Castorbehälters im Atommüllzwischenlager Gorleben in Niedersachsen beunruhigt Atomkraftgegner und Oppositionsparteien. Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg warnte am Montag vor möglichen Strahlenbelastungen von Beschäftigten des Zwischenlagers. Die SPD-Fraktion verlangte vom Umweltministerium in Hannover eine umfassende Unterrichtung über den Zwischenfall. Diesen Artikel weiter lesen
Die am Samstag aufgetretene Störung war am Montag noch nicht behoben. «Wir wissen jetzt aber, dass es am Druckschalter liegt», sagte der Sprecher der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), Jürgen Auer. Es seien weitere Untersuchungen nötig, die einige Tage in Anspruch nehmen könnten. Gefahren für Menschen oder die Umwelt bestünden nicht.
Die GNS, die das Zwischenlager betreibt, und das Niedersächsische Umweltministerium hatten am Sonntag über den Zwischenfall informiert. Zunächst hieß es, durch einen elektrischen Defekt im Verbindungskabel zwischen dem Behälter und dem Überwachungssystem sei eine Fehlermeldung ausgelöst worden. Obwohl die Kabelteile ausgetauscht wurden, trat die Fehlermeldung am Sonntagmorgen jedoch erneut auf.
Bereits am 3. März hatte die GNS eine Störung am Druckschalter eines Castorbehälters gemeldet. Damals musste das Teil ausgetauscht werden. Die Druckschalter regulieren den Druck zwischen den beiden Deckeln der Atommüllbehälter.
Nach Auers Angaben betrifft der neuerliche Defekt den Druckschalter eines Behälters, der Ende 2005 in das Zwischenlager gebracht wurde. Er enthält 28 Edelstahlzylinder mit in Glas eingeschmolzenen hoch radioaktiven Abfällen aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague. Im Zwischenlager Gorleben befinden sich insgesamt 86 Castor-Behälter mit Glaskokillen sowie 5 Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus Atomkraftwerken.
Die bundesweite Anti-Atom-Organisation «Ausgestrahlt» sieht in dem Zwischenfall einen weiteren Hinweis auf die Störanfälligkeit von Atomanlagen. Die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in Niedersachsen, Petra Emmerich-Kopatsch, erwartet «umfassende Informationen darüber, was genau passiert ist, wie der Ablauf war und welche Folgen der Defekt für die künftige Arbeit im Zwischenlager mit sich bringt».
Die Linke sprach von einem «systembedingten Fehler». «Innerhalb weniger Monate hat das Überwachungssystem an einem Castor-Behälter ein zweites Mal versagt», sagte der umweltpolitische Sprecher der niedersächsischen Landtagsfraktion, Kurt Herzog.
(ddp)




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