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Umweltforscher erhoffen von Klimagipfel in Kopenhagen eine Wende

Berlin (ddp). Klimaforscher und Umweltaktivisten sehen mit großen Erwartungen und begrenztem Optimismus dem Klimagipfel von Kopenhagen im Dezember entgegen. Wissenschaftler machten am Samstag in Göttingen auf einem Klimakongress deutlich, dass energische Initiativen gegen die Erderwärmung ergriffen werden müssten, rechnen in Kopenhagen aber nicht mit einem großen Wurf. Derweil kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, dass sie am Dienstag in Washington mit US-Präsident Barack Obama vor allem über Klimafragen beraten werde. Diesen Artikel weiter lesen

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore rechnet mit der Teilnahme Obamas an dem Weltklimagipfel. «Ich bin mir sicher, er wird nach Kopenhagen fahren», sagte Gore. Er zeigte sich auch optimistisch, dass der US-Kongress sich bis zum Gipfel, bei dem ein globales Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Klimaprotokoll beschlossen werden soll, auf einen Entwurf für ein Klimaschutzgesetz einigen werde. «Deshalb stehen die Chancen gut, dass wir Amerikaner mit einem echten Verhandlungsangebot in Kopenhagen erscheinen.» Der Umweltaktivist appellierte auch an andere Nationen, ihre Klimaschutzpolitik radikal zu ändern. «Alle Entwicklungsländer müssen verbindliche Obergrenzen für ihren CO2-Ausstoß akzeptieren.

Merkel sagte, ein besonderer Schwerpunkt der Unterredung mit Obama sei die Vorbereitung der Klimakonferenz in Kopenhagen. Sie räumte ein: »Noch ist nicht sicher, dass Kopenhagen ein Erfolg wird.« Die Europäische Union und Deutschland wollten aber darauf dringen, »dass wir ambitionierte, zukunftsweisende politische Beschlüsse in Kopenhagen treffen können«. Die Bekämpfung des Klimawandels sei »eine der unaufschiebbaren Aufgaben weltweit«. Deshalb müssten die verbleibenden Wochen genutzt werden, um gemeinsam mit den USA eine erfolgreiche Konferenz vorzubereiten.

Der Klimaforscher Mojib Latif von der Universität Kiel zweifelt hingegen einen Erfolg in Kopenhagen an. «Ich glaube nicht, dass da der große Wurf gelingt», sagte er. Latif warf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein «kollektives Versagen» beim Klimaschutz vor und beklagte ein kurzfristiges Denken. «Viele Unternehmen blicken nur auf die nächsten Quartalszahlen, viele Politiker auf die nächsten Wahlen», kritisierte Latif.

Nach Ansicht des Göttinger Physikers Jonas Norpoth ist der Kampf gegen den Klimawandel zwar aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll. «Den Konzernen verhageln solche Maßnahmen aber kurzfristig die Bilanzen.» Norpoth verwies darauf, dass bei Klimakonferenzen »Industrielobbyisten in Hundertschaften« im Hintergrund die Fäden zögen.

Der Göttinger Chemie-Professor Rolf Bertram betonte, dass die technischen Lösungen für eine Umstellung der Energieversorgung auf Sonne, Wind und Wasser vorhanden seien. «Die Potenziale sind so riesig, dass der Energiebedarf der Erde damit längst gedeckt werden könnte», sagte er. Verhindert werde ein grundlegender Umbau des Energiesystems durch die großen Energiekonzerne.

Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten sich am Freitag in Vorbereitung des Kopenhagener Gipfels auf Finanzierungsfragen in der Klimapolitik verständigt. Die Gemeinschaft hob die Notwendigkeit hervor, sich auf eine weltweite Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verständigen.

(ddp)

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