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Engpässe für Geschäftsflieger am BBI befürchtet

Berlin (ddp-bln). Ein Jahr nach der Schließung des innenstädtischen Flughafens Tempelhof zeichnet sich eine Kontroverse um die Zukunft des Geschäfts- und Privatflugverkehrs in der Hauptstadt ab. Gegner der Schließung Tempelhofs befürchten Engpässe für diesen Bereich am künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld. Zudem wird wieder Kritik an der Nachnutzung des Tempelhofer Flughafenareals laut. Das Aktionsbündnis be-4-Tempelhof.de hat für Freitag (30. Oktober) zu einer Gedenk- und Protestveranstaltung am Platz der Luftbrücke aufgerufen. Diesen Artikel weiter lesen

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«Wir vermissen ein schlüssiges Konzept für den Geschäfts- und Privatflugverkehr in der deutschen Hauptstadt», sagte IHK-Vize-Chef Christian Wiesenhütter am Donnerstag im ddp-Interview. Schon mittelfristig werde BBI für dieses Segment nicht der richtige Standort sein, da dort der normale Flugverkehr im Vordergrund stehe. Es sei zu befürchten, dass wegen der starken Flugfrequenz am BBI Landegenehmigungen für kleine Maschinen immer seltener erteilt würden.

Vor der Schließung Tempelhofs am 30. Oktober 2008 sei Berlin nach München der zweitstärkste Standort für Geschäftsflugverkehr gewesen, fügte Wiesenhütter hinzu. Wenn dieser Standortvorteil der schnellen Erreichbarkeit nicht durch entsprechende Maßnahmen wieder gewonnen würde, kämen mittelfristig weniger Lobbyisten und Meinungsbildner in die Stadt. Es sei nicht auszuschließen, dass sich dies auch negativ auf Investitionsvorhaben auswirke.

Flughafensprecher Ralf Kunkel wies die IHK-Kritik, es gebe kein Konzept für Geschäftsflugverkehr in Berlin, als «groben Unfug» zurück. «Hier werden die Bereiche Hobby-Flieger und Geschäftsflugverkehr, die nicht zusammengehören, vermischt», sagte Kunkel. Für auf Geschäftsreisende spezialisierte Airlines wie Windrose gebe es in Schönefeld schon jetzt sehr gute Bedingungen. Diese würden bis spätestens zum Jahresbeginn 2010 durch die Übertragung der Passagierabfertigung an das Unternehmen Execujet weiter optimiert.

In den sogenannten General-Aviation-Bereich habe die Flughafengesellschaft bereits 7,5 Millionen Euro investiert. Das Abfertigungsgebäude sei umgebaut sowie ein neuer Hangar und ein Bürogebäude seien errichtet worden. Der Standort sei optimal. «Geschäftsflugreisende steigen aus dem Auto aus und fliegen ab», betonte Kunkel. Auch am BBI werde es ausreichende Start- und Lande-Kapazitäten für die General Aviation geben.

Dagegen will die Flughafen-Gesellschaft keine Hobby-Flieger am BBI haben. Diese seien zu langsam und sollten geeignete Flughäfen beziehungsweise Start- und Landeplätze in Brandenburg anfliegen, sagte der Sprecher. In Kürze werde die Flughafengesellschaft die Gebühren für Geschäfts- und Privatflugverkehr auf ein im Bundesvergleich mittleres Preisniveau erhöhen.

Wiesenhütter kritisierte zudem den Berliner Senat, sich «viel zu spät» über eine Nachnutzung des denkmalgeschützten Tempelhof-Gebäudes sowie des Areals Gedanken gemacht zu haben. Schon im Vorfeld der Schließung hätte dies geschehen müssen. Die zweimal jährlich in Tempelhof veranstaltete Modemesse Bread & Butter sei gut für die Stadt, da sie international für Aufmerksamkeit sorge und den Tourismus ankurble.

Auch CDU-Landes- und -Fraktionschef Frank Henkel kritisierte, Tempelhof sei geschlossen worden, ohne dass ein tragfähiges Nachnutzungskonzept vorliege. Die Vergabe langfristiger Verträge für temporäre Nutzungen wie bei der Modemesse verhindere eine langfristige Auslastung.

Dagegen bezeichnete der Senat die Entwicklung des ehemaligen Flughafens als «Erfolgsgeschichte». Schon jetzt werde deutlich, dass sich Tempelhof zu einem attraktiven Standort der Kultur-, Medien- und Kreativwirtschaft entwickle, sagte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Roland.

Der Senat habe sich nicht zu spät um die Nachnutzung des Flughafenareals gekümmert. «Hier ist nichts verschlafen worden», sagte Roland. Zunächst habe die Übernahme der Flächen, die dem Bund gehörten, geregelt werden müssen. Zudem sei Stadtentwicklung ein demokratischer Prozess, der Bürgerbeteiligung erfordere und Zeit benötige.

Ein Drittel des Gebäudes in Tempelhof sei für temporäre Veranstaltungen vorgesehen, fügte Roland hinzu. Ein weiteres Drittel sei an Dauernutzer, darunter die Polizei, vergeben. Die Adlershof Projekt GmbH werde in der ersten Jahreshälfte 2010 Ideen präsentieren, wie das übrige Drittel genutzt werden könne. Das Flughafenfeld soll bis 2017 zu einem Park ausgebaut werden.

(ddp)

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