München (ddp-bay). Es waren rund 80 hartgesottene Fans, die sich am Mittwoch in München noch vor 6.00 Uhr früh im Kino versammelten. Nur vier Stunden nach der Premiere in Los Angeles wollten sie zu den ersten gehören, die den Konzertfilm «This Is It» mit den letzten Bühnenaufnahmen von Michael Jackson im Mathäser Filmpalast sehen können. Tränen flossen schon, bevor die erste Szene lief. «Diese Karte ist heilig», sagte die 25-jährige Caroline mit dem Kinoticket in der Hand. Erst wenn sie den Film gesehen habe, werde sie vielleicht realisieren können, dass Michael Jackson gestorben sei, meinte Caroline, die in typischer Jackson-Bekleidung erschienen war: weiße Handschuhe, weißes Jackett und weiße Socken. Nach dessen Tod am 25. Juni durch eine Vergiftung mit dem Narkosemittel Propofol war Caroline sogar für vier Tage nach Los Angeles gereist. Diesen Artikel weiter lesen
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Nur zu rund einem Viertel war der große Kinosaal mit Platz für über 300 Personen am Mittwochfrüh belegt. Die Erwartungen der versammelten Zuschauer waren groß: «Ich habe keine Minute geschlafen vor Aufregung», sagte der 31-jährige Tobias. Zwei Tage vor dem Tod des Popstars hatte er noch Karten für Jacksons geplante Comeback-Konzertreihe in London ergattert. Nun wollte er wenigstens auf der Leinwand sehen, was ihn erwartet hätte.
Die Macher des Films, der weltweit nur zwei Wochen in den Kinos laufen wird, hatten angekündigt, man werde den «King of Pop» so «hautnah» wie noch nie und auch in «ungeschönten und aufrichtigen Momenten» bei den Vorbereitungen auf die Shows erleben. Mehr als hundert Stunden an Proben- und Hintergrund-Material standen zur Verfügung.
Nach der Werbung, die durch ungeduldige «Michael»-Rufe unterbrochen wurde, schwankte die Stimmung 111 Minuten lang zwischen Begeisterung, Beklommenheit, Gelächter und Schwärmerei. Die Zuschauer bekamen einen Eindruck, wie Jacksons mit Spannung erwartete Comeback-Konzerte aussehen sollten.
Viele technische Finessen waren vorbereitet. Der «King of Pop» wäre in einem Leucht-Roboter auf die Bühne gekommen. Neben Feuerwerken und aufwendigen Choreografien mit Tänzern, deren Auswahl an den Kinofilm «A Chorus Line» erinnerte, wurden Videos für die Bühnenshow aufgenommen: Jackson lieferte sich dank digitaler Technik nicht nur eine Verfolgungsszene mit Humphrey Bogart zu «Smooth Criminal». Auch neue Friedhof-Sequenzen zu seinem Hit «Thriller» in 3D-Qualität waren bereits im Kasten - was das Münchner Publikum mit Jubel quittierte.
In Hollywood-Manier hat Regisseur Kenny Ortega für den Film teilweise zwei oder sogar drei verschiedene Probenaufnahmen pro Song zusammengeschnitten. Die Musik, die man dazu hörte, lässt an manchen Stellen Zweifel zu, ob es sich tatsächlich um eine der Live-Aufnahmen handelte oder sie nicht eher aus dem Studio stammte.
Beeindruckender und bewegender sind die Szenen, in denen Jackson mit großer Perfektion und trotz seines hageren Körpers voller Energie mit seinen Tänzern probt und ihnen seine typischen Bewegungen vorführt. In denen er mit den Musikern den vertrauten Sound sucht, solo singt, und dann wieder mehrfach ansetzt, weil ihm etwas noch nicht gefällt. «Mit Liebe» äußert Jackson solche Kritikpunkte und versichert «Wir kriegen das hin» oder «Deshalb proben wir ja, nicht wahr?» Er schien sich des Konzert-Marathons, der ihm mit 50 Shows bevorstand, durchaus bewusst zu sein. Mehrfach betont er im Film, dass er seine Stimme schonen wolle.
Ein leises Raunen ging durchs Kino, als Regisseur Ortega bei einer der wohl letzten Proben im Staples Center in Los Angeles die Künstler samt Jackson ermahnt: «Passt auf Euch auf. Und bleibt gesund!» Wenig später fand in dieser Halle die weltweit übertragene Trauerfeier für Jackson statt.
Die Begeisterung der Fans in München war nach dem Film groß. «Mir fehlen die Worte, ich habe so viel Kraft in ihm gesehen», sagte die 31-jährige Gabriela, die ein T-Shirt mit integrierter Jackson-Leuchttafel trug. Tobias sagte: «Natürlich hat er mit 50 Jahren nicht getanzt wie mit 20. Aber er war topfit und Michael hat bei den Proben nie sein volles Potenzial ausgeschöpft.» Der 31-Jährige sieht in dem Film den Beweis dafür, «dass Jackson zu nichts getrieben wurde«, wie in den Medien bereits spekuliert, sondern dass er «der große Motivator» gewesen sei. Nach der Vorstellung ging es für Tobias und die meisten anderen Besucher direkt ins Büro.
(ddp/Bild: Teleschau)




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