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Geldautomaten-Betrügerbande vor Gericht

Nürberg (ddp-bay). In einem internationalen Fall von Geldautomatenmanipulation hat ein umfangreicher Prozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth begonnen. Seit Donnerstag sitzen dort fünf Rumänen auf der Anklagebank wegen gemeinschaftlicher gewerbs- und bandenmäßiger Fälschung von Zahlungskarten. Der dabei entstandene Schaden beläuft sich nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auf über 675 000 Euro. Diesen Artikel weiter lesen

Laut Anklage sollen die Männer als Mitglieder einer international operierenden Bande unter anderem durch das Anbringen eines «Aufsatzgerätes» auf Geldautomaten sowie einer Mini-Kamera die auf Bank- und Kreditkarten gespeicherten Kundendaten einschließlich «PIN» ausgespäht haben. Mit diesen Daten sollen dann andere Bandenmitglieder Zahlungskarten unberechtigt nachgemacht und mit diesen im Ausland, speziell Frankreich, Rumänien, Ungarn und den Niederlanden Geld abgehoben haben. Der Raubzug führte sie demnach mindestens ab Juli 2007 bis September 2008 quer durch die ganze Republik: unter anderem vom Hamburg, Schwerin, Oberhausen, Paderborn über Nürnberg, Würzburg bis nach Heidelberg und Stuttgart.

Der Nürnberger Fall ist nach Erkenntnissen des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) nur die Spitze des Eisberges. «Die Zunahme bei solchen Delikten ist deutlich erkennbar», sagt der stellvertretende Abteilungsleiter für Zahlungsmittelfälschung, Josef Dirnberger, auf ddp-Anfrage. Im vergangenen Jahr seien im Freistaat 127 manipulierte Automaten zu verzeichnen gewesen, an denen Kriminelle 256 Attacken starteten, um an die begehrten Daten der Kunden zu kommen. Der festgestellte Schaden habe dabei bei rund 2,5 Millionen Euro gelegen.

Bundesweit erbeutete die EC-Mafia nach seinen Angaben im vergangenen Jahr 40 Millionen Euro, in ganz Europa war es gar eine halbe Milliarde. Dirnberger ergänzt, dass bis September 2009 beim LKA rund 60 manipulierte Automaten festgestellt worden seien. Welcher Schaden bei den rund 113 Attacken entstand, könne man aber noch nicht sagen.

Nach seiner Beobachtung tun die Kreditinstitute das Möglichste, um zu verhindern, dass ihre Automaten manipuliert werden. Die Täter würden die falschen Tastaturen oder Mini-Kameras aber häufig erst dann installieren, wenn die Bankangestellten das Haus bereits verlassen hätten. Nach zwei bis drei Stunden hätten sie dann speziell an stark frequentierten Automaten genügend Daten gesammelt, um an ausländischen Automaten im großen Stil widerrechtlich Geld abheben zu können.

Trotzdem gibt es einige Möglichkeiten, sich vor den EC-Räubern zu schützen. «Es ist auf jeden Fall wichtig, bei der Eingabe der PIN die Zahlen mit der Hand abzudecken, um zu verhindern, dass etwas optisch aufgenommen wird», sagt Dirnberger. Er empfiehlt zudem, bei den Geldautomaten auf Klebstoffreste, Risse im Kunststoff und Manipulationen an den Schrauben zu achten. «In einem solchen Fall sollte man lieber auf das Geldabheben verzichten und stattdessen die Bankangestellten oder nach Geschäftsschluss auch die Polizei informieren», rät der Experte. Außerdem sei es wichtig, regelmäßig die eigenen Kontoauszüge zu überprüfen, um verdächtige Abbuchungen schnell festzustellen.

Im konkreten Nürnberger Fall stehen die Prozessbeteiligten vor einer großen Aufgabe. Die Anklageschrift alleine umfasst 24 Seiten, die Akten füllen sechs komplette Umzugskartons. Geplant waren ursprünglich sieben weitere Verhandlungstage. Einem Gerichtssprecher zufolge zeichnete sich aber eine Verständigung der Parteien ab. Wann das Urteil, das für den 26. November geplant war, nun fällt, ist noch unklar.

(ddp)

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