Basel (ddp). Bekommen Schwangere vor der Geburt künstliche Stresshormone verabreicht, verändern diese auch die Hormonproduktion des Kindes - und zwar langfristig. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universitäten Zürich und Basel. Bei Frühgeburten sind die Hormongaben für das Neugeborene oft lebensnotwendig, beeinflussen aber nach den Erkenntnissen von Gunther Meinlschmidt von der Universität Zürich und seinem Team unter anderem das spätere Schmerzempfinden der Kinder, wie die Universität Basel am Mittwoch meldete. Diesen Artikel weiter lesen
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Künstliche Stresshormone werden häufig dann gegeben, wenn eine Frühgeburt sehr wahrscheinlich ist. Die sogenannten Glukokortikoide sollen unter anderem die Lungenreifung des Kindes im Mutterleib beschleunigen, damit es auch außerhalb des Mutterleibs überleben kann. Viele Forscher vermuteten jedoch weitere Effekte. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wertete das Team um Gunther Meinlschmidt nun 49 Studien aus den letzten 40 Jahren aus.
Dabei fanden die Forscher heraus, dass besonders das körpereigene Stresssystem auf die pränatalen Hormongaben sehr empfindlich reagierte: Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse, welche für die Ausschüttung von Stresshormonen zuständig ist, war deutlich weniger aktiv, wenn vor der Geburt künstliche Stresshormone gegeben worden waren.
Nicht nur unter Ruhebedingungen, sondern auch in Stresssituationen wie bei anfallenden Impfungen in den ersten Lebensmonaten hatten die Kinder eine geringere Menge des Stresshormons Cortisol im Blut. Die Unterschiede unter Ruhebedingungen konnten zwar nur in den ersten beiden Wochen nach der Geburt beobachtet werden. Die verminderte Schmerzreaktion sei jedoch auch noch im Alter von vier Monaten feststellbar gewesen, berichten die Wissenschaftler.
Wie stark die Unterschiede in der Hormonproduktion zwischen unbehandelten Kindern und von Glukokortikoiden beeinflussten Frühchen ausfielen, hing dabei von der Dosis der verabreichten Hormone ab. Ob die Gesundheit der Kinder kurz- oder langfristig unter dem veränderten Stresssystem leidet, ist nach Angaben der Forscher noch unklar, weitere Forschungen seien jedoch notwendig.
Durch die Ausschüttung von Stresshormonen schützt sich der Körper vor Gefahren - beispielsweise indem er vor einer herannahenden Bedrohung flieht oder die Hand schnell von einer heißen Herdplatte wegzieht.
(ddp)




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