München (ddp-bay). Der neue SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher spricht von einer «Stunde Null». Am Mittwoch wurde er mit 35 Ja-Stimmen von den 39 sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten zum neuen Oppositionschef gewählt. Der 40 Jahre alte frühere TV-Journalist vom Münchner Privatsender ProSieben soll die bayerische SPD aus dem Jammertal der letzten Wahlergebnisse führen. «Wir müssen als Sozialdemokraten eine gewisse Demut an den Tag legen», räumt er angesichts des Bundestagsergebnisses von 16,8 Prozent im Freistaat ein. Diesen Artikel weiter lesen
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«Oppositionspolitik in Reinstform» lautet sein Konzept im Kampf um mehr Vertrauen bei den Wählern. «Wir haben in den letzten Jahren viel Glaubwürdigkeit verloren», analysiert der Nachfolger von Franz Maget, der sein Amt nach neun Jahren ohne Wahlerfolge zur Verfügung gestellt hatte. Rinderspacher sagt, er sei froh, dass die nächste Landtagswahl in Bayern und die Bundestagswahl erst 2013 stattfänden. Bis dahin sei genug Zeit, den Abwärtstrend umzukehren. «Wir befinden uns zweifellos in einer tiefen Krise», räumt der neue Vorkämpfer ein. «Wir befinden uns immer noch in einem Abwärtstrend.»
Rinderspacher vervollständigt das neue, junge Führungstrio der bayerischen SPD. Der Landesvorsitzende Florian Pronold wurde im Juli an die Spitze der Partei gewählt. Der Bundestagsabgeordnete ist 36 Jahre alt, spielt aber bereits seit mehreren Jahren eine führende Rolle in der Partei. Als seine Generalsekretärin suchte Pronold sich die Landtagsabgeordnete Natascha Kohnen aus. Die 41-Jährige ist erst seit vergangenem Jahr Berufspolitikerin, als sie für den Landkreis München ins Parlament einzog.
Und nun ist Rinderspacher, der jüngste unter den SPD-Landtagsabgeordneten, neuer Fraktionschef. Seit 2002 gehört er der Partei an. Erst im vergangenen Jahr wurde er in den Landtag gewählt. Jetzt soll er der Gegenspieler von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) werden. Er soll die schwarz-gelbe Regierung im Freistaat vor sich her treiben und seine Partei als Alternative etablieren. Der Ministerpräsident sei «angeschlagen», wagt Rinderspacher eine erste brave Attacke. Seehofer hatte bis vor kurzem beim Namen Rinderspacher nicht einmal ein Gesicht vor Augen. Was der gelassen kontert: «Die Leute sehnen sich nach neuen Gesichtern.»
Allerdings hätte er sich «ein bisschen mehr Vorbereitungszeit gewünscht». Er übernehme nun die Verantwortung «in einer politisch schwierigen Situation». Seine Partei brauche einen Neuanfang. Bei den Rezepten setzt er jedoch auf Alt(un)bewährtes. Eine «Bayern-Tour» soll es Anfang nächsten Jahres geben. «Wir müssen mehr raus», ermahnt Rinderspacher die Partei. Und zwar vor allem dorthin, «wo die SPD traditionell eher schwach ist». In den Dialog mit den Bürgern wolle er bei diesen Veranstaltungen treten, sagt er. Zumindest könnte es ihn bei seinen Genossen etwas bekannter machen. Teilnehmer von außerhalb der Partei sind bei solchen Treffen ja eher selten anzutreffen.
Sich selbst ordnet Rinderspacher keinem Parteiflügel zu. «Ich würde mich zählen zu den Gestaltungslinken», sagte er und meint damit: «Keine Radikalopposition, sondern die Dinge zum Besseren wenden.» «Hartz IV» etwa halte er zwar für «vom Prinzip her richtig». Die Regelsätze müssten aber auf 430 Euro angehoben werden.
Rinderspacher ist gelernter Bankkaufmann, studierte dann in München, Politik, Medienrecht und Psychologie. Außerdem hat er ein Diplom als Medienmarketing-Fachwirt von der Akademie der Werbung. Sein Geburtsort Kaiserslautern ist nur auf den ersten Blick ein Makel. Schließlich gehörte die Pfalz von 1816 bis 1945 zu Bayern. Er hat einen fünfjährigen Sohn und lebt in Trennung. Rinderspacher selbst beschreibt sich als fleißig, pflichtbewusst und glaubwürdig.
Und er macht schon deutlich, dass er sich nicht nur als kurzzeitigen Lückenfüller an der Spitze der Fraktion sieht. Über sein Wahlergebnis scherzt er, es sei «fast ein bisschen zu gut». Da sei bei seiner Wiederwahl, die er 2012 anstrebt, «viel Luft nach unten». Als Antrittsgeschenk bekam er von seinen Kollegen eine Leiter überreicht. Schließlich soll es ja nach oben gehen - und falls das nicht klappt, so tönt es bereits gewohnt pessimistisch aus der Fraktion, kann er sie zumindest für sein Hobby Gartenarbeit nutzen.
(ddp)




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