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«Beherzte und selbstlose» Hilfe nach Amoklauf

Stuttgart (ddp). Immer wieder hebt Annette Kull die Hand zum Gruß, winkt Bekannten zu und schüttelt Hände. Die zierliche Frau hat als Koordinatorin der Notfallnachsorge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bei dem Einsatz um den Amoklauf von Winnenden und Wendlingen viele Freundschaften geschlossen. «Da ist eine Zusammengehörigkeit entstanden», sagt Kull am Dienstag in Stuttgart über die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte. Sie sitzt inmitten von rund 400 Helfern in Feuerwehr- oder Polizeiuniformen und Anzügen mit Rettungsdienst-Emblemen bei einem Empfang im Neuen Schloss in Stuttgart. Hessens Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) würdigt in einer Rede den «beherzten und selbstlosen» Einsatz der Helfer beim Amoklauf. Diesen Artikel weiter lesen

Sie hätten «weit mehr» getan als ihre Pflicht, sagt Oettinger. Der 11. März 2009, «Tag des Schreckens» und der «Fassungslosigkeit» werde immer in gemeinsamer Erinnerung bleiben und füge den Angehörigen der Opfer noch heute Schmerzen zu. Bei dem Amoklauf hatte ein 17-Jähriger in der Albertville-Realschule in Winnenden und bei seiner anschließenden Flucht in Wendlingen insgesamt 15 Menschen und dann sich selbst erschossen. Oettinger betonte, an der Schule solle nun so schnell wie möglich wieder Normalität einkehren. Die Rückkehr in die Schule sei ein Symbol für eine intakte Gemeinschaft.

Kull bescheinigt ihren Mitstreitern ebenfalls «hervorragende Arbeit» bei dem größten Einsatz, den sie in ihrer zehnjährigen Mitarbeit beim DRK je erlebte. «So ein Ereignis kann man nicht üben», sagt die zweifache Mutter. Dank der guten Ausbildung hätten sich die Retter und Helfer aber gut geschlagen und die Ereignisse inzwischen auch «sehr gut verarbeitet». Nur noch wenige Helfer seien in psychologischer Betreuung, obwohl der Einsatz sie extrem gefordert habe. «Einsätze, bei denen Kinder betroffen sind, sind sehr belastend», fügt die hauptamtliche Lehrerin hinzu.

Auch die Schulleiterin der Albertville-Realschule, Astrid Hahn, die Kull ebenfalls betreute, sei auf einem guten Weg. «Sie ist gefasst und blickt positiv in die Zukunft», sagt Kull. In einer bewegenden Ansprache bedankt sich die Rektorin am Dienstag bei den Helfern. Diese seien «bis an ihre Grenzen oder darüber hinaus gegangen, um uns Betroffenen beizustehen«. Die Polizisten beispielsweise hätten «ihr Leben für uns riskiert». Es sei für die Betroffenen die schwerste Zeit ihres Lebens gewesen. Sie hätten aber viel Unterstützung erhalten. «Ohne Sie wäre unsere Gesellschaft arm», sagte Hahn den Helfern.

Der Oberbürgermeister von Winnenden, Bernhard Fritz (CDU), sprach von einer «Einsatz- und Helferfamilie». «Für diesen Amoklauf gab es keine Checkliste», dennoch hätten die Einsatzkräfte hervorragende Arbeit geleistet. Zugleich seien unter ihnen viele Freundschaften entstanden.

Kull schätzt, dass der feierliche Empfang im Neuen Schloss »den Einsatzkräften gut tut". Allerdings hätte sie sich gewünscht, dass die Veranstaltung am Abend stattfindet, statt am Vormittag. Da sie und ihre Mitstreiter ehrenamtlich tätig seien, könnten nur wenige an den Feierlichkeiten teilnehmen.

(ddp)

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