Berlin (ddp). Die Lebensmittelüberwachung hat im vergangenen Jahr in jedem vierten überprüften Betrieb Mängel gefunden. Von insgesamt rund 540 000 inspizierten Betrieben seien bei knapp 130 000 Betrieben «Verstöße festgestellt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet» worden, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Montag in Berlin mit. Es seien mehr als die Hälfte der deutschen Lebensmittelhersteller- und verkäufer kontrolliert worden. Diesen Artikel weiter lesen
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Die meisten Beanstandungen hätten die Betriebshygiene betroffen. In der Geflügelfleisch-Dönerspießproduktion sei von 875 Imbissbetrieben jeder zweite Betrieb beanstandet worden. Ebenso sei bei 17 Prozent der etwa 1000 überprüften Speiseeishersteller die Hygiene bemängelt worden. Viele Beanstandungen habe es auch bei der Kennzeichnung und Aufmachung der Lebensmittel gegeben.
Außerdem hätten die Überwachungsbehörden im vergangenen Jahr rund 407 000 Proben untersucht. Davon seien etwa 55 000 beanstandet worden. So seien von 290 Proben «Vanilleeis» 110 durchgefallen, da statt Vanille naturidentisches Vanillin oder künstliche Aromastoffe verwendet worden seien.
Positiv erwähnte das BVL Frischobst, Frischgemüse und Kartoffeln aus inländischer Bioproduktion. In den 350 untersuchten, in Deutschland hergestellten Proben seien kaum Pflanzenschutzmittelrückstände beziehungsweise keine bedenklichen Schwermetallgehalte gefunden worden.
Messbare Rückstände an Pflanzenschutzmitteln seien häufiger in Reis, Gurken, grünen Bohnen, Karotten und Pfefferminzblättertee festgestellt worden, so das BVL. Wie bei vorangegangenen Untersuchungen habe Obst erneut die meisten positiven Befunde aufgewiesen: Bei 76 bis 90 Prozent aller Proben von Birnen, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Mandarinen/Clementinen/Satsumas seien messbare Rückstände festgestellt worden. Anhaltspunkte für ein akutes gesundheitliches Risiko durch Pflanzenschutzmittelrückstände habe es nur bei Birnen gegeben. Die betroffenen Früchte seien vom Markt genommen und vernichtet worden.
Weiterer Untersuchungsschwerpunkt waren den Angaben zufolge Gifte aus Schimmelpilzen. Dabei habe es bei sieben Prozent der Reisproben problematische Befunde gegeben. Auch bei Lakritz und Schokolade seien teilweise hohe Gehalte gefunden worden. Mit Blick auf die Untersuchungsergebnisse rät das BVL, «die Ernährung ausgewogen und abwechslungsreich zu gestalten». Dadurch lasse sich «die teilweise unvermeidliche nahrungsbedingte Aufnahme unerwünschter Stoffe am ehesten auf ein Minimum reduzieren».
Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch bezeichnete den Bericht als «die jährliche Bankrotterklärung des staatlichen Verbraucherschutzes». Jahr für Jahr seien die Beanstandungsquoten bei den Lebensmittelkontrollen erschreckend hoch, und Jahr für Jahr ändere sich an diesen Quoten fast nichts, sagte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Er forderte mehr Transparenz: «Alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen müssen veröffentlicht werden, und zwar mit namentlicher Nennung der Betriebe», sagte Bode.
(ddp)




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